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FW, 13.01.2007
Was kann man vermuten, was hinter der Tür liegt: vielleicht ein weiteres Krankenzimmer, eine Versorgungskammer, vielleicht ein Frühstücksraum? Doch die Türen sind schwerer als andere und beim Öffnen verspürt man einen kühlen Zug. Die technischen Anlagen des Bad Salzunger Klinikums sind nicht weg vom Schuss, aber trotzdem für Otto Normalpatient unerreichbar. Ein „geheimer Ort", den wir für Sie erkundeten.
BAD SALZUNGEN - Ohne Schlüssel geht hier nichts. Einen kiloschweren Bund in den Händen von Thomas Schindhelm vermutet man - doch es gibt nur noch einen Schlüssel und ein kleines Gerät ähnlich einem UFO, ein so genannter Transponder, Befehlsinstrument in der digitalen Schließanlage. Der Herr über die Öffnungs-Instrumente, technischer Leiter im Klinikum, läuft Richtung Nordflügel. Im zweiten Obergeschoss befinden sich hier nur technische Räume. „Alles gebündelt. Das erleichtert vieles", erzählt Thomas Schindhelm und entsichert die riesige Tür. Beim Betreten des Raumes verlangt man nach Luft, ein wenig unangenehm wirkt der Wirrwarr aus Leitungen und silbern isolierten Rohren. Überall hängen Thermometer. Der Steinfußboden wirkt kahl. Checklisten zeigen das aktuelle Datum. Hier war heute schon mal jemand, verraten sie. 13 Mann sorgen für die technischen Anlagen im Haus, überwachen sämtliche Abläufe, vom Keller bis ins sechste Obergeschoss. Doch die Hauptszenen werden neben dem Untergeschoss offensichtlich im zweiten Stockwerk gedreht. „Hier steht die Klima- und Lüftungstechnik - zum Teil. Es wäre sinnlos, diese aus dem Keller heraus arbeiten zu lassen", erzählt Schindhelm. Die Anlage erscheint gigantisch. Ein Ende des Ganges ist auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen. Ein Flügel misst 47 Meter - hier kann einiges untergebracht werden. Die Anlagen sorgen für die gute Lüftung in den Patientenzimmern, von hier werden sämtliche OP-Räume belüftet sowie Flure und Räume jeglicher Art. „Es sind Vorrichtungen zur Wärmerückgewinnung vorhanden, um Energie zu sparen", erzählt Schindhelm weiter. Die riesigen Anlagen müssen regelmäßig gereinigt und gewartet werden, erklärt er. Ein großer Aufwand, selbst für die 13 Techniker des Hauses.
Orange Steckdosen sind die wichtigsten Ein im wahrsten Sinne des Wortes lebenswichtiger Bereich im Klinikum beherbergt Schaltschränke. Von hier aus wird die Energieversorgung geregelt. Undurchsichtig für einen Laien. „Wir haben so genannte AV-, SV- und ZSV-Steckdosen im Haus. Die allgemeine Stromversorgung kann ja mal ausfallen. Die Sicherheitsversorgung ist für 90 Minuten brandfest und springt nach spätestens 15 Sekunden an. Eine Art Notstromversorgung." Die ZSV, die zusätzliche Versorgung, ist die wichtigste Versorgung im Haus. An den orangefarbenen Steckdosen hängen alle lebenswichtigen Gerätschaften. Und diese Dosen liefern, so erzählt Schindhelm, bereits nach 0,5 Sekunden Strom, wenn er gebraucht wird. Etwa 20 Tonnen Batterien lagern in einem separaten Raum. Nahe dem Wirtschaftshof arbeitet ein riesiger Motor für die Stromstabilität. Thomas Schindhelm zeigt auf einen 12-Zylinder-Motor mit 1600 kVA. „Einmal am Tag wird Kontrolle gelaufen. Alles wird dann überprüft", meint Thomas Schindhelm. Das Technikteam des Klinikums hat keinen 24- Stunden-Dienst, aber eine Rufbereitschaft sorgt dafür, dass auch nach 20 Uhr technisch alles unter Kontrolle ist.
Der technische Leiter geht den Gang hinauf, zeigt auf kleine Luken an der Decke. „Wir haben hier im Haus 1288 Brandklappen installiert. Sollte es zu einem Feuer kommen und gewisse Temperaturen sind erreicht, schließen sie sich, um die Ausbreitung des Qualms zu verhindern. Außerdem gibt es bei den Fenstern im Foyer Vorrichtungen, damit diese automatisch aufgehen und der Rauch übers Dach abgesaugt werden kann." Über die Gebäudeleittechnikrechner würde sofort Alarm gegeben, wenn etwas passieren sollte. Dieser steht automatisch mit den Diensttelefonen in Verbindung. Es geht Richtung Keller, vorbei an Ärzten und Schwestern, Patienten und Besuchern. „Wir haben einen Kriechkeller unter dem eigentlichen Keller", sagt Schindhelm, und kurz nach den letzten Stufen versteht man, was er meint. Die Decke ist nicht weit entfernt. Aufrecht gehen? Unmöglich. Ein Kriechkeller eben.
Ein Labyrinth von Rohren Thomas Schindhelm öffnet eine kleine Tür, wieder ein Schlüssel, der ins Ungewisse führt. Plötzlich hockt er mitten in der zwergenhaften Tür. Zumindest gibt es einen Lichtschalter. Als sich die Lampen eingeglüht haben, ist ein Stuhl zu erkennen. Er steht unterhalb eines Labyrinthes von Rohren. Viele sind warm. Der technische Leiter geht in die Knie. „Den Stuhl braucht man, wenn man hier länger zu tun hat", sagt er. Raus aus der Enge des Kriechkellers geht es eine Etage höher. Thomas Schindhelm führt uns vorbei an Waschraum und Küche, bis zum Raum der Gebäudeleittechnik. Endlose Gänge, die nie ein Patient sehen wird und die vielleicht auch die wenigsten Ärzte kennen. Vier Bildschirme stehen vor Roland Monzer. Im Zimmer befinden sich Fotos, Kalender, Zeichnungen, Karten und Pläne vom Gebäude. „Hier läuft alles zusammen", sagt Thomas Schindhelm und schon erscheint auf dem Bildschirm vor seinem Kollegen ein rotes Kästchen. Kein Grund zu Panik, heißt es - einer der Fahrstühle ist stehen geblieben oder jemand hat aus Versehen den Notknopf gedrückt. Die Sache wird überprüft, wie erwartet Fehlalarm. Alles per Ferndiagnose. Vom Raum der Gebäudeleittechnik kontrolliert Monzer auch die Temperatur des Schwimmbades im Haus. Und er kontrolliert die Wasseraufbereitung, wo Thomas Schindhelm nun hinführt. „Hier wird Wasser für die Sterilisationsabteilung vorbereitet. Mit Salztabletten , Aktivkohlefiltern und Osmosepatronen wird das spezielle Wasser hergestellt", erzählt Thomas Schindhelm. Die Entsalzung wird den gesamten Tag durchgeführt. Etwa 3000 Liter werden bereitgehalten und das ist noch nicht alles, was für den reibungslosen technischen Ablauf in einem Klinikum benötigt wird. Der technische Leiter scheint stolz auf diese ganzen technischen Anlagen, behandelt sie sorgsam und achtet ständig auf sie. „Beeindruckend, oder?" fragt er. Ja, auch wenn Otto Normalpatient sie nie sieht, sondern nur ihr Nutznießer ist. (jub)
 Hier kann man nicht aufrecht stehen: Unter dem Keller gibt es noch einmal einen Keller, zeigt Thomas Schindhelm. FOTOS: HEIKO MATZ
 Am Monitor kann man genau verfolgen, wo es im Klinikum klemmt – und wenn‘s nur ein Fahrstuhl ist.
 Die Stromversorgung wird von einem Schaltschrank aus geregelt.
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