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fw, 10.02.2007
Auf der Entbindungsstation im Klinikum Bad Salzungen weiß man, wie man Babys und werdende Eltern versorgen muss
VON KATRIN SCHWAB-VOLK Das Bett ist ein Alleskönner. Es hat Griffe an der Seite, einen Hocker zum Hervorziehen, und seine kreisrunden Hauptteile können mühelos nach oben und unten verstellt werden. Es hat schon vielen Frauen geholfen in den ganz besonderen Stunden ihres Lebens - in denen sie einem Kind das Leben schenken.
BAD SALZUNGEN - Auch als Blickfang. Olivgrün, Altrosa und ein sonniges Orange sind die Farben, mit denen Kissen und Bettteile bezogen sind. Alles, was man sieht, vermittelt die Botschaft: Hier ist man in guten Händen. Und die Frauen, die hierherkommen, brauchen dieses Gefühl. Denn, was vor ihnen liegt, wird Schwerstarbeit sein: Nach langen Monaten der Schwangerschaft sind sie in einem der beiden Kreißsäle im Klinikum Bad Salzungen zur Geburt ihres Kindes gut aufgehoben. Ein Storch begrüßt die Ankommenden. Schon vor der geschlossenen Flügeltür baumelt er an der Decke des Eingangsbereiches. Jeder, der das Tier mit den schlaksigen roten Plüschbeinen zu Gesicht bekommt, weiß, dass man auf diese Station in der ersten Etage des Krankenhauses nicht kommt, weil man krank ist, sondern weil man ein Baby erwartet.
Erst klingeln, dann eintreten
Ein Schild mit der Aufforderung, erst zu klingeln und sich anzumelden, hängt gut leserlich gleich rechts neben der Eingangstür. Mir öffnet Christin Dittmar die Tür. Eine herzliche Wärme strahlt aus ihrem Gesicht. Bei ihr würde ich auch gern ein Kind bekommen. Der Flur dahinter ist zum Laufen da. Auch wenn gleich hinter der Eingangstür zwei schicke orangefarbene Sessel, um einen kleinen Tisch drapiert, zum Sitzen einladen. Meist wird die Sitzgruppe nur als Ablage genutzt. Wie heute auch. Ein werdender Vater hat seine Jacke und die gepackte Reisetasche seiner Frau darauf abgestellt. Im Aufnahmezimmer liegt die hochschwangere junge Frau bereits auf einer schmucklosen Liege, wie sie in unzähligen Arztpraxen ebenfalls stehen könnte. Am Schreibtisch am Fußende des Bettes notiert eine Hebamme die Antworten der werdenden Mutter auf ihre Fragen. Zwei Schallköpfe an zwei locker gebundenen Gurten umspannen ihren Bauch, der zum Bersten gewölbt ist. Das Baby darin ist zu seiner vollen Größe gewachsen. Jetzt will es raus. Bis kurz vor dem Zeitpunkt, da das Kind auf die Welt kommt, werden diese Schallköpfe die Signale desWinzlings in dieWelt, die es erwartet, senden: Mit welcher Kraft das Baby nach draußen drängt und wie stark dabei sein Herzchen schlägt. Als nach oben und unten ausschlagende Kurve wird es auf dem cardiotokographischen (CTG) Gerät aufgezeichnet. Je nach gewünschter Lautstärke kann die baldige Mutter den Herzschlag ihres Kindes auch hören. Es klingt wie der Hufschlag eines davoneilendes Wildpferdchens. Ein bisschen ist das ja auch so. Noch sind bei der jungen Frau die Wehen nicht so stark. Sie kann sich auf die Fragen der Hebamme konzentrieren. Deren Stimme verrät die Erfahrung. Schon vielen Frauen hat die Hebamme bei der Geburt geholfen. Sie informiert die angehende Mutter über den möglichen Verlauf des Geburtsvorganges. Die meisten der Frauen, die im Klinikum Bad Salzungen entbinden, wissen - selbst wenn sie ihr erstes Kind bekommen - zumindest theoretisch, was auf sie zukommt. In einem mehrmonatigenVorbereitungskurs haben sie von erfahrenen Hebammen viele ihrer Fragen über den Geburtsvorgang und die Babypflege beantwortet bekommen. Wissen nimmt Angst. Das ist auch die Basis eines Vortrages, den Chefärztin Dr. Kornelia Franke jeden Monat vor werdenden Müttern hält. „Wir Ärzte und Hebammen sind um eine möglichst natürliche Entbindung bemüht", versichert sie darin den schwangeren Zuhörerinnen. „Wir wollen nur so weit in den Geburtsablauf eingreifen, wie dies für Mutter und Kind erforderlich ist", sagt die erfahrene Gynäkologin. „Dennoch stehen allen Frauen, die im Bad Salzunger Klinikum ihr Kind zur Welt bringen, modernste geburtshilfliche Methoden zur Verfügung, so dass sich die Risiken für Mutter und Kind auf ein nie zuvor gekanntes Maß vermindern." Solche Sätze beruhigen die Frauen. Wenn noch Zeit bis zur Entbindung bleibt, können auch Akupunktur, Massagen oder ein Bad mit Duftölen der werdenden Mutter beim Entspannen helfen. All das wird hier angewendet. Der Duschvorhang in dem weißgekachelten Raum ist bunt getupft und die Grünpflanze eine wohltuende Abwechslung für das Auge. Eine Geburt kann Stunden dauern. Die Frauen hält es dann meist nicht im Bett, denn die Schmerzen, die den voranschreitenden Geburtsvorgang signalisieren, werden immer stärker. Deshalb ist der Flur zum Laufen da und zum Ablenken. Selbst eine Sprossenwand fehlt nicht, falls die werdende Mutter ihrem strapazierten Rücken mit ein paar Dehnübungen Erleichterung verschaffen möchte. Für die begleitenden Personen ist ebenfalls gesorgt. In einer kleinen Nische stehen Sessel, Sofa und Kaffeeautomat bereit. Auch Carsten Wenig wird an diesem Tag davon Gebrauch machen.
Stunden später ist Noel da Er hat seine Frau Ramona begleitet. Für die 29-Jährige ist es bereits die zweite Geburt und auch ihr Mann weiß, was ihn in den kommenden Stunden erwarten wird. „Es ist ungewohnt, aber so schlimm ist es nun auch wieder nicht und wenn man sein eigenes Kind danach im Arm halten kann, dann ist das doch wunderbar", antwortet der Philippsthaler auf die Frage, ob ihm ein wenig sonderbar zumute ist. Stunden später wird er seinen kleinen Sohn Noel dankbar in Empfang nehmen können. Dankbare Mütter und Väter waren es auch, die die vielen Bilder im Flur den Hebammen und Ärzten der Geburtsstation geschenkt haben. Auf den Fotos sind ihre Kinder abgelichtet, nachdem sie schon eineWeile in ihrem Zuhause aufgenommen worden waren. Vielgestaltiges neues Leben, das auf der Geburtstation imBad Salzunger Klinikum das erste Mal das Licht derWelt erblickte. „Es ist ein Wunder, sagt das Herz, es ist eine große Verantwortung, sagt der Verstand, ..., es ist ein Kind, sagen wir", zitiert Dr. Kornelia Franke gern aus einem Gedicht, wenn sie über den Geburtsvorgang spricht. Noch viele Kinder werden hier geboren werden. Zum Glück.
 Hebamme Christin Dittmar kümmert sich im Kreißsaal um RamonaWenig. Bald ist es so weit – ihr Sohn soll geboren werden. Seine Herztöne kann man schon über ein spezielles Gerät hören und überprüfen, bald auch seinen ersten Schrei vernehmen. Der Mann der jungen Philippsthalerin wird bei der Geburt des zweiten Kindes dabei sein. Stunden später wird er das erste Mal seinen Sohn Noel in den Armen halten können.
 Letzte ordnende Handgriffe, bevor das Bett wieder belegt wird: Hebamme Christin Dittmar im Kreißsaal. FOTOS: SCHWAB-VOLK |