Home Pressespiegel Presseartikel 2007 Die Tagesklinik zog um zu „Sulzberger"
Die Tagesklinik zog um zu „Sulzberger"
FW, 22.12.2007

Wo früher im Sulzberger-Krankenhaus der gebrochene Arm geröntgt und gegipst wurde, wo sich in der ersten Etage Krankenzimmer befanden, da geht heute Rosemarie (Name geändert) in die psychiatrische Tagesklinik. Sie kommt morgens gegen 8 Uhr, nutzt verschiedene Therapieangebote und ist am späten Nachmittag wieder zu Hause in ihrer Umgebung.

BAD SALZUNGEN - In die Langenfelder Straße kam Rosemarie früher schon - seit 1998 war die Tagesklinik in der früheren HNO-Abteilung untergebracht, an der Ecke zur Sophienstraße. Vergangene Woche war großer Umzug: Die Tagesklinik, zum Klinikum Bad Salzungen gehörend, zog aus angemieteten und beengten Räumen auf mehreren Etagen in „Sulzbergers Krankenhaus".
Man erkennt die ehemalige Unfallchirurgie im Inneren kaum wieder, auch ein neuer heller Eingangsbereich wurde geschaffen. Farben strahlen von den Wänden, „denn auch mit Farben kann man heilen", sagt Dr. Jochen Ostermann, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum. Auf zwei Etagen sind die freundlich eingerichteten, freilich aus Sparsamkeitsgründen mit Möbeln aus dem vorherigen Domizil bestückten Räume verteilt.
Trainingswohnung
Auch eine sogenannte Trainingswohnung gibt es, in der bis zu vier Patienten leben können. „Sie dient Menschen, die es erkrankungsbedingt verlernt haben, für sich selbst zu sorgen", sagt Chefarzt Ostermann. Auch wöchentlich einmal gemeinsames Kochen, wie es in der Küche neben dem freundlichen Speiseraum zu erleben ist, gehört zur Therapie, ebenso die Ergotherapieräume, die das Arbeiten mit mehreren Patienten ermöglichen. Hier sägt eine junge Frau gerade Speckstein, es wird geflochten und eine weitere Patientin malt auf Seide. Die Kunsttherapie, sagt Jochen Ostermann, wird auch dazu verhelfen, die noch etwas kahlen Wände und Flure zu schmücken: „Es gibt ganz erstaunliche Werke, die die Patienten selbst kreiert haben."
Doch auch Therapieräume für Montagearbeiten, eine kleine Druckerei, Räume fürs kognitive Training, für Entspannungsübungen oder für die Lichttherapie stehen zur Verfügung; sogar ein Ruheraum, in den sich die Patienten zurückziehen können. Den Trainingsraum, in dem Patienten sich richtig auspowern können, hätte sich Ostermann gewiss ein wenig größer gewünscht, aber im Sommer und wenn die Arbeiten um das Haus abgeschlossen sind, will man den Aktionsradius auch auf den Innenhof und auf den Garten ausdehnen. „Künftig werden Patienten die Kräuter für die Küche selbst ziehen", sagt der Arzt.

 

Ob Gärtnern oder Entspannungstherapie - was für den Patienten das richtige Angebot ist, wird ärztlich festgelegt. Die Behandlungszeit schwankt zwischen wenigen Tagen und mehreren Monaten. „Tagesklinische Behandlungen stehen grundsätzlich allen Patienten mit seelischen Erkrankungen offen, wenn sie die Tagesklinik selbstständig aufsuchen können - sei es mit dem Bus oder mit dem eigenen Auto", sagt Ostermann. Bei einem Vorgespräch werden besondere Risiken - etwa starke Verwirrtheit, Orientierungsverlust oder Selbstmordgefahr - ausgeschlossen, ansonsten genügt eine Einweisung durch einen niedergelassenen Arzt. Die meisten Patienten werden durch den Hausarzt in die Tagesklinik verwiesen. Hier erwarten sie alle aktuellen psychiatrischen Behandlungsverfahren.
„Neben den auf den Einzelnen abgestimmten Therapien haben gruppentherapeutische Behandlungen und die Einbindung in die Gesamtgruppe der Patienten eine große Bedeutung", sagt der Fachmann. „Die Erkenntnis, dass andere Menschen unter ähnlichen Problemen wie man selbst leiden und der Austausch über Lösungsversuche kann oft allein schon hilfreich sein". Dazu komme die Möglichkeit, anders als bei einer vollstationären Behandlung die gewohnte häusliche Umgebung nicht missen zu müssen.
Die Hemmschwelle, solch ein Angebot wie die Tagesklinik anzunehmen, sei auch durch die gute Lage nahe der Stadt gesunken. „Man geht eben nicht nach Marienthal oder Hildburghausen, sondern einfach nur ins alte Krankenhaus".
Erfahrenes Team
Wenn Patienten wie Rosemarie gegen 8 Uhr in die Klinik kommen, erwartet sie ein gemeinsames Frühstück und Therapien und Aktivitäten. „Dazu können auch Praktika und stunden- oder tageweise Belastungserprobungen am Arbeitsplatz gehören oder die Regelung von Ämter- und Behördenangelegenheiten." Der zuständige Oberarzt Dirk Cichy und seine Mitarbeiter sind erfahrene Ärzte und Therapeuten: Nervenfacharzt, Diplompsychologin, Ergotherapeuten, Sozialpädagogin und Krankenpfleger arbeiten eng zusammen.
Das sanierte und umgebaute Haus wird in der ersten Woche 2007 offiziell eröffnet. (fr)


Es duftet lecker nach Mittag: Schwester Christine Schmidt kocht mit Patienten der Bad Salzunger Tagesklinik. FOTOS (2): MATZ


„Manchem hilft es, Dampf abzulassen“, sagt Chefarzt Ostermann

 
 
 

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