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Schwierig, aber keine Katastrophe
stz, 04.04.2006

„Ohne Wasser merkt Euch das, wär unsre Welt ein leeres Fass". Trällern wollte dieses Lied aus der Oper „Der Wasserträger" von Luigi Cherubini am 28. März im Klinikum Bad Salzungen niemand mehr. 7,5 Stunden ohne Wasser mussten überbrückt werden.

BAD SALZUNGEN - Bei Bauarbeiten an der Umgehungsstraße B 62 hatte ein Bagger die Zuleitung des Krankenhauses gekappt. Gegen 12.05 Uhr kam aus der Technikzentrale die Meldung, dass das Haus ohne Wasser ist. Auch die manuelle Prüfung führte zu diesem Ergebnis. Der Anruf beim Wasser- und Abwasserverband brachte keine Entwarnung, berichtet Thomas Schindhelm, Technischer Leiter des Klinikums Bad Salzungen. Wenig später entdeckten Mitarbeiter und Patienten des Klinikums die riesige Wasserfontäne hinter dem Haus. Nach ersten Informationen des Wasserverbandes sollte die Havarie innerhalb von vier Stunden beseitigt sein, doch genauso wie für das Wohngebiet „An den Beeten" (stz berichtete) dauerte es 7,5 Stunden bis Entwarnung kam. „Natürlich hat das Klinikum für einen solchen Fall einen Katastrophenschutzplan. Doch die Katastrophe musste nicht ausgerufen werden, weil in den Operationsräumen, auf der Intensivstation und in anderen Behandlungsräumen kaum noch Wasser verwendet wird, sagt Schindhelm. Desinfiziert werde im OP mit Desinfektionslösungen. Selbst in den Patientenzimmern seien diese Lösungen verfügbar, so dass niemand Schaden nehmen konnte Eingeschränkt gewesen sei der Stationsbetrieb, was für die Patienten natürlich nicht angenehm war. Es konnten kein Tee und kein Kaffee gekocht werden und die Toilettenspülung funktioniere ohne Wasser auch im Klinikum nicht. Die Filter, die der hochwertigen Technik, beispielsweise der Entsalzungsanlage vorgeschaltet sind, mussten nach dem Wasserausfall 18 Mal gespült werden, um Verschmutzungen vorzubeugen. Das Team der Küche musste am nächsten Morgen bereits um 4 Uhr anfangen, um der Berge des schmutzigen Geschirrs Herr zu werden. Und auch die Sterilisationsabteilung musste eine Nachtschicht einlegen, weil am Vortag der Reindampf aus vollentsalztem Wasser, der für die Sterilisation notwendig ist, nicht hergestellt werden konnte. Seit seiner Eröffnung im September 2002 hat das Klinikum Bad Salzungen eine solche Situation nicht meistern müssen. Bemühungen um eine zweite Einspeisung habe es aber bereits im vergangenen Jahr gegeben. Leider habe man sich damals mit dem WVS nicht einigen können. Nun nach dieser Erfahrung habe die Geschäftsführung ein neuen Vorstoß unternommen. Ein Ergebnis liege bisher noch nicht vor. Trotzdem, Gefahr für die Patienten durch den Wasserausfall habe zu keiner Zeit bestanden, stellt Schindhelm klar.

 

Alles, was wirklich gefährlich werden könnte, sei im Klinikum Bad Salzungen mehrfach abgesichert. So verfüge das Klinikum über ein Notstromaggregat, welches durch einen 2100 PS-starken Motor angetrieben wird, der mit Heizöl betrieben wird. Rund 7000 Liter Heizöl frisst der Motor am Tag. Nachschub sei gesichert. Der Motor werde immer vorgewärmt, da er im Falle eines Stromausfalls innerhalb von 15 Sekunden anspringen muss „und man einen solchen Koloss nicht aus dem Kalten starten kann". Lebensrettende Instrumente, wie beispielsweise die Beatmungsmaschine im OP und auf der Intensivstation dürfen noch nicht einmal 15 Sekunden ausfallen. Dafür stehen in einem gesonderten Raum im Haus noch einmal 20 bis 30 Tonnen Batterien, die nach 0,5 Sekunden den Strom für alle lebenserhaltenden Instrumente liefern. Was die Stromversorgung betrifft, könnte sich das Klinikum sicher 14 Tage selbst versorgen, ist Thomas Schindhelm überzeugt. Auch die Sauerstoffversorgung sei mehrfach abgesichert. Normalerweise erhält das Klinikum den flüssigen Sauerstoff über Tankwagen. Die Füllmenge des Edelstahltanks vor dem Haus werde täglich automatisch und zur Sicherheit auch noch manuell geprüft. Sollte es wirklich hier zu Engpässen oder einer Havarie kommen, gebe es natürlich noch einmal eine Reserveversorgung aus Flaschen, die sich in einem extra Raum im Klinikum aufreihen. Sie würde im Notfall fünf Tage reichen. Teuer war auch der Brandschutz. Brandmeldeanlagen in allen Bereichen sind Pflicht. Im Kernbereich rund um den zentralen Aufzug ist ein modernes Rauchabzugssystem installiert. Im ganzen Haus fallen Brandschutztüren automatisch, sollte wirklich irgendwo ein Feuer ausbrechen. Selbst der Legionärskrankheit wird mit einer teuren Wasseraufbereitungsanlage vorgebeugt. Da die Keime nur über das Einatmen von Wasserdampf übertragen werden können, wird das Duschwasser im Klinikum vor dem Einspeisen in die Leitung auf 70 Grad erwärmt. Erst danach sind die Keime abgetötet. Das Wasser wird danach wieder auf 50 Grad abgekühlt und steht dann über eine extra Leitung zur Verfügung. Mehr stoffversorgung ist im Klinikum das Stichwort für Sicherheit. Hauptenergieträger für das Klinikum ist Erdgas. „Es kann aber sofort auf Öl umgestellt werden, sollte das notwendig werden", sagt Schindhelm. UTE WEILBACH


Täglich überprüft Thomas Schindhelm, Technischer Leiter des Klinikums, die Parameter der Wasseraufbereitungsanlage. FOTO: HEIKO MATZ

 
 
 

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