Home Pressespiegel Presseartikel 2006 „Teufelskreis aus Schmerzen überwinden"
„Teufelskreis aus Schmerzen überwinden"
fw, 25.04.2006

Immer mehr Menschen leiden unter Rückenschmerzen, sogar Kinder klagen schon über Kopfschmerzen. Das sind keinesfalls Tatsachen, die man als Randerscheinung der modernen Zivilisation abtun kann, mahnt der Chefarzt der Abteilung für physikalische Therapie, Dr. Joachim Barthels. Schmerzen muss man nicht standhaft ertragen lernen. Vor allem dürfen sie nicht chronisch werden. Auch das Klinikum in Bad Salzungen will bald ein schmerzarmes Krankenhaus sein.

BAD SALZUNGEN - Wenn ein Patient im Bad Salzunger Klinikum über Schmerzen klagt, dann wird ihm nicht einfach eine lindernde Medizin verabreicht. Auf einer Skala, die einem Schülerlineal gleicht, soll er an einer verschiebbaren Messlatte andeuten, wie stark seine Schmerzen sind. Auf der Rückseite der sogenannten visuellen Analogskala ist eine Zahlenleiste eingerichtet, anhand der derbehandelnde Arzt dann ablesen kann, wie intensiv die Schmerzen tatsächlich sind und welche Therapie auf Grund dessen angewandt werden muss. Bisher sind Schmerzen immer als Nebenerscheinung wahrgenommen worden, doch das Bad Salzunger Klinikteam hat sich an einer deutschlandweiten Studie ausgesuchter Krankenhäuser beteiligt, die dazu führen wird, dass in all diesen Häusern den Schmerzen der Patienten erhöhtes Augenmerk geschenkt wird. „Die Auswertung der Befragungsbögen zu diesem Thema hatte sogar ergeben, dass den Schmerzen der Patienten meist viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden war", fasst Dr. Barthels die Analyse zusammen.

 

Im Bad Salzunger Klinikum sind zu diesem Thema inzwischen bereits mehrere Vorträge gehalten worden, zudem wird ein spezieller Schmerzdienst eingerichtet werden, in dem die Experten aus den verschiedenen Fachbereichen integriert sind. In der Krankenakte wird nicht nur, wie bisher, Puls und Temperatur erfasst, auch die Schmerzkurve hat Eingang in den Therapiebericht gefunden. „Je früher man Schmerzen behandelt, umso eher bekämpft man die Gefahr, dass sie chronisch werden", begründet Joachim Barthels den Aufwand. Wer längere Zeit Schmerzen erträgt, gerät schnell in einen Teufelskreis, sagt der Facharzt für Physiotherapie. „Der Patient traut sich immer weniger zu, es kommt zu Arbeitsausfällen. Im schlimmsten Fall bis zum kompletten Ausscheiden aus dem Arbeitsprozess." Doch auch die Patienten sind aufgefordert, sich jederzeit zu melden, wenn ihre Schmerzen größer werden. Viele Kranke würden sich vor allem nachts nicht trauen, eine Schwester oder einen Pfleger zu rufen, wenn ihre Schmerzen zu groß sind, ist die Erfahrung der Mediziner. „Das muss nicht sein. Jede Bescheidenheit ist da fehl am Platz", mahnt Dr. Barthels. (ks)


Elektrotherapie bei Nackenschmerzen: Physiotherapeutin Kirstin Stanelle während der Behandlung einer Patientin. Foto: Schwab

 
 
 

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