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fw, 13.05.2006
Mahammads Mamas sind alle weißbejackt. Der kleine afghanische Junge hat inzwischen so viel Zeit auf der Kinderstation des Bad Salzunger Klinikums verbracht, dass er zu manchen der Krankenschwestern und Ärztinnen schon „Mama" sagt.
BAD SALZUNGEN - Eigentlich sollte der eineinhalbjährige Junge längst wieder bei seiner Familie in Kabul sein, doch kurz vor seinem Abflug ist die Krankheit, deretwegen er schon zuvor mehrmals operiert worden war, wieder ausgebrochen. Als Mahammad aus dem internationalen Friedensdorf in Oberhausen Ende Februar deshalb wieder in Bad Salzungen ankam, freute er sich. Die Ärzte und Schwestern empfingen ihn so warmherzig, wie sie ihn verabschiedet hatten, und dennoch mit ein wenig Wehmut. „Der Kleine wird es sehr schwer haben, sich in seiner richtigen Welt zurechfinden zu können", befürchtet Oberärztin Kathrin Georgi-Rubner. Deshalb hoffen die Mitarbeiterinnen auf der Kinderstation auch, dass der quirlige kleine Kerl die Entzündung in seinem Körper so gut bekämpft, dass er nun wirklich bald geheilt nach Hause fliegen kann. Dabei waren sie sich sicher, dass sie die chronische Knochenmarkentzündung, an der Mahammad leidet, schon nach der ersten mehrmonatigen Therapie vollständig ausgeheilt hätten. Eine Mittelohrentzündung, die der kleine Junge kurz vor seiner Abreise nach Afghanistan jedoch bekommen hatte, ließ die Krankheit wieder ausbrechen. „Für uns war das ein Schock, als wir davon hörten", schildert Kathrin Georgi-Rubner die Reaktion auf die Nachricht aus Oberhausen. Dabei kommen auch in der westlichen Welt immer wieder Babys zur Welt, die an einer Säuglingsknochenmarkentzündung leiden. Das anhaltende Fieber weist den Ärzten den Weg. „Die Neugeborenen werden eingehend untersucht, so dass man bald die Ursache dafür herausgefunden hat. Sie werden mit einem Antibiothikum behandelt, so dass der Knochen gar nicht erst durch die Bakterien angegriffen werden kann", schildert die Kinderärztin den üblichen Behandlungsweg. In Europa der Standard, in dem bürgerkriegsgeschüttelten Afghanistan jedoch kaum realisierbar.
Obwohl der kleine Junge schon in seiner Heimat zweimal an dem kranken Oberschenkelknochen operiert worden ist, war der Knochen längst so weit beschädigt, dass sich ein gesundes Hüftgelenk gar nicht erst ausbilden konnte. Der kleine Junge wird nie richtig gehen können. Auch nach seiner neuerlichen Ankunft in Bad Salzungen ist das afghanische Kind bereits zwei Mal an dem chronisch befallenen Oberschenkelknochen operiert worden; im Klinikum Suhl hat man gerade mit einem nuklearmedizinischen Spezialgerät nach weiteren unentdeckten Entzündungsherden im Körper des kleinen Jungen gefahndet. Mit einem Antibiotikum versucht man zusätzlich, den hartnäckigen mikrokleinen Störenfrieden zu Leibe zu rücken. All das merkt man Mahammad nicht an. Der Kleine, dessen Augen so schwarz wie Kohlestückchen sind und der ein fröhliches rundes Kindergesicht hat, steht derweil vergnügt in seinem Laufgitter im Schwesternzimmer und hält die Pflegerinnen auf Trab. „Er ist ein liebes, normal entwickeltes und sehr dankbares Kind", beschreibt die Oberärztin den kleinen Langzeitgast des Klinikums, das im Wesentlichen allein für die Kosten der langwierigen Behandlung aufkommt. Für Kathrin Georgi-Rubner und die anderen Mitarbeiterinnen auf der Kinderstation des Krankenhauses ist Mahammad Shafia indes nicht der erste kleine Patient aus der fremden, fernen Welt Afghanistans, dem sie helfen wollen. Unter den sechs Kindern, die inzwischen längst wieder in ihre bergige Heimat am Hindukusch zurückgekehrt sind, war ein Kind, dessen trauriges Schicksal Kathrin Georgi-Rubner besonders berührt hat. Ein neunjähriger Junge war beim Spielen auf eine Tretmine getreten und hatte dabei sein Augenlicht, ein Bein und seine Arme verloren. „Als wir ihn das erste Mal sahen, waren wir alle tief geschockt." Dennoch waren diese Kinder sehr dankbar und fast immer fröhlich, erinnert sich die Medizinerin. So wie der kleine Mahammad, der lange Zeit fern von zu Hause gleich mehrere Mamas hat. KATHRIN SCHWAB
 "Ein fröhliches dankbares Kind":Der kleine Mahammad wird auf der Kinderstation des Bad Salzunger Klinikums gesund gepflegt. Foto:Schwab |