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stz, 05.07.2006
Helle freundliche Flure, überall Blumen, an den Wänden hängen Bilder. Acht Zweibettzimmer, ein Aufenthaltsraum und ein Speiseraum mit Küchenzeile für die Patienten, ein Stützpunkt für Ärzte und Schwestern - das ist die neue psychiatrische Station 4a im Klinikum Bad Salzungen.
BAD SALZUNGEN - Es sei traurig, aber ein Fakt: Die Zahl der psychisch kranken Patienten wachse ständig. Der Bedarf sei so groß, dass die Zweibettzimmer auf der Psychiatrie mit bisher 80 Betten oft notgedrungen in Dreibettzimmer verwandelt werden mussten. „Auch mussten wir Patienten, die nicht aus dem Wartburgkreis kamen, ablehnen, weil wir einfach nicht genügend Kapazität hatten." Das sei natürlich nicht gut für das Image des Hauses, sagt Dr. Jochen Ostermann, Chefarzt für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Bad Salzungen. Er erinnert sich an den Umzug der Station im September 2003 vom alten Krankenhaus ins neue Klinikum. Hätte ihm damals jemand gesagt, dass bereits nach zwei Jahren die 80 Betten in der Psychiatrie nicht ausreichen, „hätte ich ihm geraten, sich einer Realitätsprüfung auf unserer Station zu unterziehen". Tatsächlich habe der Bedarf so enorm zugenommen, dass Dr. Ostermann nur den einen Rat geben möchte: „Hüte dich vor Prognosen, insbesondere vor denen, die die Zukunft betreffen." Den Zettel mit diesem Zitat hält der Chefarzt auch wortlos in die Höhe, als er nach dem weiteren Bedarf gefragt wird. Er selbst ist sich nicht sicher, ob der Anteil der psychischen Erkrankungen in jüngster Vergangenheit massiv gestiegen ist oder ob es nicht einen unbehandelten Bedarf gegeben habe. Der Trend sei thüringenweit, seines Wissens hätten drei Kliniken ihre psychiatrischen Stationen erweitert. Die hohe Bettenzahl lasse sich auch mit der Verweildauer erklären. Verlasse der Patient auf anderen Stationen im Durchschnitt nach sechs Tagen die Klinik, so seien es in der Psychiatrie 18 Tage. Und das sei das Minimum. Obwohl die Station besser geworden sei, als er es sich während der Planung habe vorstellen können, bleibe sie ein Kompromiss betont Dr. Ostermann während des Rundgangs mit den Gästen, darunter Landrat Reinhard Krebs, Aufsichtsratsvorsitzende und Kreisbeigeordnete Claudia Döring, Udo Schilling und Kurt Kästner als Aufsichtratsmitglieder, Ärzte und Schwestern. Die neue Station, räumlich weit getrennt von der Psychiatrie, könne nur eine Übergangslösung sein. Die weiten Wege für das Personal und die Patienten zur Behandlung und Untersuchung sei nicht optimal. Aber das Klinikum habe aufgrund des Bedarfs eine schnelle Lösung gesucht und mit der Station 4a erst einmal eine gefunden, so Ostermann . Bei allen logistischen Schwierigkeiten ist Stationsschwester Gisela Aron, die zur Einweihung von Geschäftsführer Harald Muhs Blumen überreicht bekam, zufrieden.
Natürlich verlange auch der Standort in der vierten Etage vom Personal erhöhte Aufmerksamkeit. Die Fenster seien verschlossen und die Balkone verglast. Die Zwischentüren lassen sich, wenn notwendig, automatisch schließen. „Aber unsere Patienten können sehr erfinderisch sein." Elf Schwestern, ein Psychologe, ein Stationsarzt und ein Oberarzt, zwei Ergotherapeuten und ein Physiotherapeut kümmern sich nun um das Wohl der Patienten. 16 moderne Zweibettzimmer stehen zur Verfügung, darunter ein Überwachungszimmer für schwerstkranke Patienten. Bereits im Januar 2005, so berichtet Geschäftsführer Harald Muhs, sei dem Klinikum die Erweiterung der psychiatrischen Klinik von 80 auf 96 Betten genehmigt worden. Das Haus habe die 16 Betten nicht zusätzlich erhalten, sondern sie mussten in anderen Fachbereichen reduziert werden. Welche Abteilungen Betten abgeben mussten, wollte Muhs nicht verraten. Den Patienten gereiche die Reduzierung auf keinen Fall zum Nachteil, weil die Abteilungen ausgewählt worden seien, wo noch Reserven vorhanden waren. Dass die Station erst anderthalb Jahre später eingeweiht werden könne, habe mit der langen Vorbereitungsphase zu tun. Ausgehend vom Gesamtkonzept des Hauses musste ein Kompromiss für die Erweiterung gefunden werden. Am Ende kam nur die Station 4a in Frage, weil sie bisher nicht für den Stationsbetrieb genutzt wurde. Hier waren Büros von Chefärzten und Verwaltungsräume untergebracht. Die eigentliche Schwierigkeit war, „die Station 4a freizuräumen", sagt der technische Leiter Thomas Schindhelm. Nach der Bauvorbereitung begann der eigentliche Umbau der Station, der nur zehn Wochen dauerte. Der Umbau wurde nur in Leichtbauweise durchgeführt, sollte sich in der Zukunft doch die Möglichkeit ergeben, die Psychiatrie wieder zusammenzuführen. Dann könne die Station 4a schnell wieder für andere Zwecke genutzt werden, ergänzt Dr. Ostermann. Landrat Krebs, der an seinem ersten Tag die psychiatrische Klinik mit einweihte, versprach eine gute Zusammenarbeit, um die Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Krebs zeigte sich davon überzeugt, dass der Wartburgkreis, als Gesellschafter, die Entwicklung des Klinikums bisher gut begleitet habe. Daran werde sich nichts ändern. Er wolle nicht nur zu den Einweihungsfesten kommen, sondern bereits in der Vorbereitung - aktuell beim Aufbau des Medizinischen Versorgungszentrums - mithelfen. (wei)
 Dr. Jochen Ostermann (r.) führt die Gäste durch die neue psychiatrische Station. FOTO: HEIKO MATZ |