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Das Ende der Fahnenstange ist erreicht
stz, 21.09.2006

Das Bad Salzunger Klinikum gehört noch nicht zu den Thüringer Krankenhäusern, die durch ein neues Finanzierungssystem existenziell gefährdet sind. Aber bei weiteren Änderungen wird es auch hier kritisch.

BAD SALZUNGEN - Etwa jedes zweite Krankenhaus in Thüringen könnte zum Verlierer des neuen Vergütungssystems werden, berichteten kürzlich Ersatzkassen. Nach einer ersten Analyse stehen 19 Häuser durch die Umstellung unter verschärftem wirtschaftlichen Druck. „Neuerungen bringen immer Schwierigkeiten", sagt Harald Muhs, Geschäftsführer des Klinikums Bad Salzungen, auf stz-Anfrage, „aber wir kommen ganz gut damit zurecht". Bei den Thüringer Vergleichswerten liegt sein Haus „knapp unter dem Niveau", es gibt also weder große Gewinne noch Verluste. Mit dem verstärkten Druck auf die Verweildauer der Patienten kann er sich ebenfalls arrangieren, „dieser Trend hat sich doch schon abgezeichnet, bevor das neue System eingeführt wurde". Er findet die neue Finanzierung „im Grunde sogar vernünftig", konstatiert allerdings „Tücken in den Randbereichen". So sieht er enorme Probleme in der Palliativmedizin, die jedoch in Bad Salzungen nicht angeboten wird. Mit dem neuen System verbundene Ängste von Patienten, zu früh entlassen zu werden, sind seiner Ansicht nach nicht nötig. „Der behandelnde Arzt wird das entscheiden, was er verantworten kann." Dadurch kann es auch mal passieren, „dass ein Patient umsonst behandelt wird", sagt der Geschäftsführer. Aber viel mehr Sorgen machen ihm die weiteren geplanten Veränderungen, insbesondere durch die Gesundheitsreform. Sollte tatsächlich ein Prozent des Budgets für Krankenhäuser gekürzt werden, dann ergäbe sich auch für ihn eine große Finanzierungslücke. Skeptisch beurteilt er außerdem das angebliche Vorhaben der Thüringer Landesregierung, den Landeskrankenhausplan dahingehend zu ändern, dass spezialisierte und damit besser bezahlte Leistungen nur noch in Zentren angeboten werden sollen. Kleinere Häuser wären dann lediglich für die Grundversorgung zuständig, was sie besonders bedrohen könnte, sagt Muhs.

 

Ein mittleres Haus wie das in Bad Salzungen könnte nach seinem Kenntnisstand je nach der Qualifizierung eventuell besondere Disziplinen halten. Wenn zum sinkenden Budget und der beschnittenen Leistung noch die erhöhten Tarifzahlungen für die Ärzte kommen, dann „wird das auch uns an die Grenzen bringen", so Muhs. Seiner Ansicht nach gibt es kaum noch Chancen der Kompensation. Die „Nutzung von Wirtschaftlichkeitsreserven", wie sie den Krankenhäusern ständig gepredigt wird, sieht er jedenfalls ausgeschöpft, „das machen wir doch schon seit zehn Jahren". Das Ende der Fahnenstange ist dabei erreicht, so sein Fazit. Er will zwar nochmals alle Sachkostenbereiche überarbeiten lassen, aber trotzdem werden Kürzungen beim Personal als dem kostenintensivsten Bereich wahrscheinlich nicht ausbleiben können, stellt Muhs klar. Und wie sieht es mit zusätzlichen Einnahmen durch solch umstrittene Angebote wie Wunsch-Kaiserschnitte oder Schönheitsoperationen aus? Obwohl er neben dem Reduzieren von Kosten auch das Maximieren der Erlöse anstrebt, „sind solche Dinge nicht angedacht", betont der Geschäftsführer. Auch sein Schmalkalder Kollege Frank Schönewolf sieht bei den absehbaren Änderungen noch schwierigere Zeiten vorher. „Das werden einige Häuser nicht überleben", so sein Fazit. „Nach dem jetzigen Stand kommen wir zurecht", beurteilt er die Lage, und für die Zukunft will er keine Prognosen wagen außer dem Spruch: „Totgesagte leben länger". Der Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses Schmalkalden erhofft sich durch die verstärkte Kooperation mit niedergelassenen Ärzten und anderen Kliniken einen Ausgleich für den erhöhten finanziellen Druck. Auch eine Rückbesinnung auf das System der Polikliniken aus DDR-Zeiten hält er für wichtig. Außerdem will er durch ein erhöhtes Angebot in der Gesundheitsvorsorge zusätzliche Einnahmequellen erschließen. Themen wie Ernährung, Fitness und Naturheilkunde nennt er als mögliche Bereiche. Mit verantwortlich für die Krise im Gesundheitsbereich macht Schönewolf den enormen Einfluss der Industrie und einen zu hohen Verwaltungsaufwand. „Wozu brauchen wir 250 Krankenkassen", so seine Frage - seiner Ansicht nach ist genug Geld im System, es wird nur falsch verteilt. Seine Kri- tik: „Hier geht es nicht um den Patienten, sondern um Rendite". (sus)


Klinikum Bad Salzungen: Sollte tatsächlich ein Prozent des Budgets für Krankenhäuser gekürzt werden, dann ergäbe sich auch hier eine große Finanzierungslücke. FOTO: HEIKO MATZ

 
 
 

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