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stz, 30.06.2005
Eigentlich ist Chefärztin Dr./Uni.Nov.Sad Leonhardt-Horti nicht mehr neu in Bad Salzungen. Am Freitag, 1. Juli, führt sie die Kinderklinik des Klinikums genau ein Jahr. Doch vor der öffentlichen Vorstellung wollte sie bereits einige ihrer Ideen umgesetzt haben.
Frau Dr. Leonhardt, was hat sich unter Ihrer Leitung in der Kinderklinik getan? Zuerst möchte ich den medizinischen Aspekt nennen. Ich habe mich während meiner Ausbildung und der bisherigen Arbeit viel mit der kinderkardiologischen Diagnostik beschäftigt. EKG, Echokardiografie (Ultraschalluntersuchung des Herzens) und die Sonografie des Bauches und des Schädels sind meine „Lieblingsgebiete". Es ist nun möglich, dass wir viele Kinder, die früher nach Gießen oder Erfurt zur Untersuchung überwiesen wurden, hier behandeln können. Das betrifft einmal die Neugeborenen, aber auch Kinder jeden Alters, die ein Herzgeräusch oder einen bereits diagnostizierten Herzfehler haben. Wir haben gute Voraussetzungen für die kardiologische Diagnostik, für EKG und Echokardiografie. Wir haben ein Ultraschallgerät, womit diese Untersuchungen möglich sind. In naher Zukunft werden wir ein neues, besseres bekommen. Das Echokardiografiegerät werden wir gemeinsam mit den Internisten nutzen. Es wurde für die Untersuchung von Kindern aufgerüstet. So ist es uns nun möglich, Kinder mit Herzgeräuschen oder anderen kardiologischen Fragestellungen in Bad Salzungen zu behandeln. Wir beraten die Eltern. Nach der Untersuchung kann festgestellt werden, ob es sich um einen Herzfehler handelt. Bei den meisten Herzgeräuschen handelt es sich um ein harmloses Strömungsgeräusch oder um einen kleinen Herzfehler, der sich noch auswachsen kann. In eine Spezialklinik müssen die Kinder erst, wenn sie einen schweren Herzfehler haben, eine so genannte invasive Diagnostik, eine Herzkatheteruntersuchung oder eine Operation notwendig ist. Da es hier im Umkreis keinen Kinderkardiologen gibt, habe ich auch eine ambulante Zulassung beantragt. Das ist für die Kinder wichtig, ihnen und ihren Eltern wird der lange Anfahrtsweg nach Gießen oder Erfurt erspart. Und die niedergelassenen Ärzte haben die Möglichkeit, einen kardiologischen Fall in der Nähe abklären zu lassen. Wir sind auch in Sachen Kinderchirurgie vorangekommen.
Das heißt? Ich bin sehr froh, dass ich eine Kinderchirurgin einstellen konnte. Die Thüringerin arbeitete zuvor in Bielefeld und hat dort ihre Facharztausbildung für Kinderchirurgie absolviert. Dr. Andrea Köhler-Illgen möchte jetzt ihre Fach- arztausbildung zur Kinderärztin machen. Sie hat angeboten, bei uns kinder- chirurgisch tätig zu sein. Sie könnte das versierte chirurgische Team der Klinik beispielsweise bei der Operation des Magen-Pförtner-Krampfes oder bei der OP des Leistenbruchs bei sehr jungen Säuglingen unterstützen.
Wie groß ist Ihre Station?
Wir haben 20 Betten und betreuen die Neugeborenen auf der Wochenstation, wo es erfreulicherweise steigende Geburtenzahlen gibt. Mein Ziel ist es, kranke Neugeborene bei uns zu behandeln und nicht so häufig, wie in der Vergangen- heit, in andere Kliniken zu verlegen. Auf der Kinderstation arbeiten eine Oberärztin, zwei Fachärzte sowie die Kinderchirurgin in Ausbildung zum Kinderarzt und ein Assistenzarzt, ebenfalls in Ausbildung. Wie haben elf Kinderkrankenschwestern und eine Sekretärin. Alle Ärztinnen und die meisten Schwestern arbeiten nicht mit der vollen Stundenzahl.
Ist eine Kinderstation etwas Besonderes? Im gewissen Sinne schon. Wir haben den Anspruch, ein kinder- und familienfreundliches Krankenhaus zu sein. Das bedeutet auch, dass der Abstand zwischen Patienten, Eltern und dem medizinischem Personal nicht so groß ist. Bei Kindern bis zu sechs Jahren können die Eltern als Begleitperson mit aufgenommen werde. Wir haben jetzt ein Ruhezimmer eingerichtet, wohin sich die gestressten Mütter oder Väter auch einmal zurückziehen können. Denn so ein Krankenhausaufenthalt ist auch immer eine Belastung . Auch die Terrasse steht zur Verfügung. Dort können sich Eltern untereinander austauschen oder mit den Schwestern und Ärzten ins Gespräch kommen.
Wie ist der Kontakt zu den Eltern? Sehr gut. Ich war zuvor 18 Jahre an der Kinderklinik in Offenbach. Dort war die Verbindung zu den Eltern schwieriger, weil die Schere zwischen Arm und Reich einfach viel größer ist. Dazu kamen die Ver- ständigungsprobleme mit den vielen ausländischen Eltern. Die Eltern hier in Thüringen sind in der Regel sehr verständnisvoll und arbeiten mit. Sie sprechen mit einem charmanten Akzent. Wo kommen Sie her. Ich bin Ungarin. Ich wurde im ehemaligen Jugoslawien geboren. Nach meinem Studium kam ich 1978 durch meinen Mann nach Deutschland, lebe also mittlerweile fast 30 Jahre hier.
Hier, heißt genau wo? Ich habe eine Eigentumswohnung in Hanau und eine Mietwohnung in Bad Salzungen. Ich pendle, je nachdem wie ich Dienst habe. Die Gegend um Bad Salzungen ist wunderschön. Ich genieße täglich den Blick aus der Klinik und das beschauliche Städtchen mit dem Burgsee.
Stellen Sie sich bitte kurz vor? Ich bin 54 Jahre alt und geschieden. Ich habe keine eigenen Kinder, aber ich liebe Kinder. Deshalb habe ich auch ein Patenkind in Indonesien. Wenn Sie so wollen, habe ich mit 42 Jahren eine 16-jährige Tochter bekommen. Ich bin öfter in Bali, um sie zu besuchen. Sie war auch schon zweimal in Deutschland.
Sagen Sie etwas zu Ihrer medizinischen Ausbildung? Nach meinem Studium in Novi Sad in Jugoslawien begann ich meine Fach- arztausbildung noch in Jugoslawien und beendete sie dann an der Kinderklinik der Universität Marburg. Zuvor war ich zwei Jahre in der Anästhesie in Frankfurt/Main tätig. Nach der Facharztausbildung in Marburg arbeitete ich zwei Jahre an der Kinderklinik Hanau. 1986 wechselte ich an die Kinderklinik in Offenbach, ein Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Frankfurt. Dort war ich 18 Jahre Oberärztin. Danach habe ich mich als Chefärztin in Bad Salzungen beworben. Und nun bin ich schon wieder ein Jahr hier.
Haben Sie diesen Schritt mittlerweile bereut? Nein, überhaupt nicht. Ich übernahm hier eine Klinik mit einem gut ausgebildeten Mitarbeiterteam, das offen für Ver- änderungen und Verbesserungen ist. Natürlich hat es eine Einarbeitungsphase gegeben, die für mich nicht immer einfach war. Hier habe ich einfach mehr Ver- antwortung. Als Oberärztin in Offenbach habe ich auch oft den Chef vertreten. Aber es ist doch etwas anderes, wenn man dann die ganze Verantwortung hat. Und das nicht nur für den medizinischen Bereich, als Chefärztin müssen Sie sich auch mit Fragen der Wirtschaftlichkeit beschäftigen.
 Dr. Hajnalka Leonhardt-Horti ist Spezialistin für Ultraschalluntersuchungen am Kinderherzen. - FOTO: MATZ |