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Sie knabbern nicht, sie saugen nur
stz, 02.07.2005

Im Klinikum Bad Salzungen werden Fliegenmaden seit sechs Jahren zur Wundheilung eingesetzt Der Patient spürt sie kaum, die kleinen natürlichen Helfer, die seine Wunde säubern. Meist bleiben die Maden der Goldfliege, eingepackt in Gaze, nur zwei bis vier Tage auf der Wunde. Ergebnis: Die Wunde ist sauber. Das abgestorbene Gewebe ist beseitigt.

BAD SALZUNGEN - "Wir nennen diese natürlichen Helfer unsere Mikrochirurgen", sagt der Chefarzt des Bad Salzunger Klinikums Dr. Kurt Bauer. Bereits seit 1999 werden die Maden zur Wundheilung in Bad Salzungen eingesetzt. Deshalb hat sich der Mediziner etwas gewUndert, dass diese medizinische Methode zurzeit in der Presse als die Neuheit beschrieben wird.
Die Idee, dass Maden bei der Wundheilung hellen können, stamme bereits aus Kriegszeiten. Damals war den Ärzten aufgefallen, dass bei Patienten, bei denen wochenlang der Verband nicht gewechselt werden konnte, Maden die Wunde nicht etwa infiziert, sondern erstaunlich sauber gehalten hatten.
Anfang der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts mit dem Einsatz der Antibiotika galt die Madentherapieals überholt. Ende der 90er Jahre erlebte sie, auch als biologisch- mechanische Therapie bezeichnet, ihre Wiedergeburt. Zuerst wurde sie wieder in der Schweiz und Holland angewandt. Heute ist sie an modernen Kliniken wieder weltweit verbreitet.
Auch in Bad Salzungen werden damit wöchentlich drei bis vier Patienten behandelt. Dr. Bauer weiß, dass diese Therapie manchem eine Gänsehaut über den Rücken jagt. Doch der Erfolg sei vielversprechend. Die Wundheilung beschleunige sich mindestens um ein Drittel. Manche Wunden, die sich bisher überhaupt nicht schließen wollten, beginnen zu heilen. Und, so Dr. Bauer, "die Madentherapie ist eine schonende Methode. Offene Wunden sind mit einem hartnäckigen Belag aus abgestorbenem Gewebe überzogen. Dieser müsse beseitigt werden, damit sich frisches Gewebe bilden und die Wunde abheilen kann. Die Maden der Goldfliege ernähren sich ausschließlich von abgestorbenem Gewebe.Für sie sind Wunden eine ideale Futterquelle. Dabei sei die Angst unbegründet, dass die Maden auch gesundes Gewebe anknabbern könnten.

Die Tiere verflüssigen mit ihrem Speichel den Wundbelag und saugen ihn ab. Es bestehe keine Gefahr, dass sich die Maden unkontrolliert in der Wunde ausbreiten, da sie sich nicht von gesundem Gewebe ernähren können. Die Maden beseitigen zudem noch Wundinfektionen. Denn sie saugen mit dem Speichel auch Bakterien ab und lösen sie auf. Außerdem enthalte der Speichel der Tiere Stoffe, die das Wachstum des gesunden Gewebes fördern.
Natürlich könnte auch der Chirurg, so Dr. Bauer, die Wunde mit dem Skalpell oder dem Laser säubern. Doch müsste das dann unter Vollnarkose geschehen. Außerdem könne selbst der beste Chirurg dabei nicht garantieren, dass auch gesundes Gewebe mit weggenommen wird.
Für Patienten mit schwer heilenden Wunden sei die Madentherapie sehr schonend. Die Tiere werden je nach Größe der Wunde im 50er, l00er, oder 200er Gazepack aufgesetzt. "In der Regel bleiben sie dort zwei bis vier Tage und werden laut Bauer "dick und fett dabei". Seien sie zu Anfang der Behandlung nur wenige Millimeter groß, so erreichen sie danach manchmal fast eine Größe von einem Zentimeter. Der Patient selbst merke eigentlich nichts. Selbst das Kribbeln schreibt Dr. Bauer mehr dem subjektiven Empfinden zu.
Nach der Behandlung werden die Maden beseitigt. Möglich sei das im Feuer, in Alkohol oder im Gefrierfach. Im Bad Salzunger Klinikum wird der frostige Tod bevorzugt. Kombiniert wird die Madentherapie oft mit einer Vakuumbehandlung. Über eine Vakuum- pumpe wird über der Wunde ein gleichmäßiger Sog erzeugt, der die Wundheilung beschleunigt.
Mit viel Erfolg wird diese kombinierte Therapie in Vorbereitung von Haut- transplantationen eingesetzt." Denn transplantiert werden kann nur auf sauberen Wunden", erklärt Dr. Bauer.
UTE WEILBACH

 
 
 

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