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Viel Liebe, kein Wort Paschtu
stz, 26.08.2005

Baby Mohammed aus Afghanistan wird im Klinikum, Bad Salzungen operiert / Spenden willkommen
An Ersatz-Muttis wird es Mohammed gewiss nicht fehlen, da ist sich Dr. Kathrin Georgi-Rubner ganz sicher. Der kleine Junge aus Afghanistan wird seit gestern auf der Kinderstation im Bad Salzunger Klinikum betreut. Ein halbes Jahr wird es wahrscheinlich dauern, bis er wieder zurück nach Hause kommt. Zunächst muss er operiert werden, wohl mehrfach, schätzt die Oberärztin nach den ersten Untersuchungen ein. "Als wir das Röntgenbild gesehen haben, war uns ganz mulmig."

 

BAD SALZUNGEN - Als die Hilfsorganisation Friedensdorf International anfragte, ob das Klinikum kostenfrei die dringend notwendige medizinische Versorgung für ein Kind aus einer Krisenregion übernimmt, hatte Chefarzt Dr. Kurt Bauer "sofort ja gesagt". Schon mehrfach wurde in den vergangenen Jahren auf diese Weise im Salzunger Krankenhaus Hqfe geleistet. Der neue kleine Patient kommt aus Afghanistan - viel mehr war erst einmal nicht bekannt. "Sprechen Sie Paschtu?" - mit dieser Frage wandte sich das Klinikum deshalb über die Medien an in Thüringen lebende Afghanen oder Pakistani, um die Verständigung abzusichern. "Es meldete sich auch tatsächlich jemand", erzählt Dr. Bauer. Aber das Angebot wurde dann "eigentlich hinfällig" - Mohammed ist ein Baby, kann noch gar nicht sprechen. In der Nacht zum Donnerstag kam der Kleine auf dem Frankfurter Flughafen an, ein Krankentransport brachte ihn nach Bad Salzungen, um 2 Uhr war er da. "Nummer 18" stand auf seinem linken Händchen. "Über diese Nummer", weiß Kathrin Georgi-Rubner, "geht es bei Rückfragen am schnellsten." Dass auch der Name - Mohammed Shafia - bekannt ist, ist durchaus nicht der Regelfall. Weiter war in Erfah~g zu bringen, dass der Junge Eltern und Geschwister hat, die in der afghanischen Hauptstadt Kabul leben und ihn in Empfang nehmen werden, wenn er nach Hause kommt. Der Rückflug nach Afghanistan ist für Februar/ März geplant. Ob das mit 31. Dezember 2003 angegebene Geburtsdatum stimmt, bezweifeln die Ärzte. "Von der Größe, vom Gewicht und von der Entwicklung her schätzen wir, dass er neun bis zehn Monate alt ist",. sagt Dr. Georgi-Rubner. Krabbeln und sitzen kann er noch nicht, aufgrund seiner Erkrankung, vermutet sie. Mohammed leidet an einer eitrigen Knochenmarksentzündung im rechten Oberschenkel.

Im Indira-Gandhi-Hospital in Kabul ist er deshalb schon drei Mal gewesen. Um ihm wirksam zu helfen, fehlt es dort an der notwendigen medizinischen und labortechnischen Ausrüstung, erklärt Dr. Kurt Bauer. Unklar ist auch noch, wo die Ursache der schmerzhaften Erkrankung liegt. Ob es unter der Geburt passierte, wie aus dem Hospital in Kabul verlautete, oder ob eine spätere Verletzung schuld ist, müssen die Untersuchungen erst noch erbringen. Eins allerdings scheint schon festzustehen: Er wird nicht nur eine - für die nächste Woche vorgesehene -, sondern mehrere Operationen brauchen. Fehlen wird es ihm zumindest im Klinikum an nichts. Der "süße kleine Kerl", der so "ganz munter schaut", wird "bestimmt der Liebling der Station", prophezeit die Oberärztin. Mohammed hat, so wurde festgestellt, eine leichte Blutarmut durch die chronische Entzündung, die nach der OP behoben werden muss. Gegen die Schmerzen braucht er Medikamente. Was die Nahrungs-Umgewöhnung betrifft, sind erste Erfahrungswerte da: Am liebsten gegessen hat er bislang Bananen, Brei mag er nicht - das machte Baby Mohammed schon deutlich. Auch ohne Worte. 2500 Euro, Erlös aus einem Benefiz-Angeltumier in Oberzella, sind dem Klinikum bereits zugegangen. Wer die Versorgung des kleinen Jungen ebenfalls finanziell unterstützen möchte, kann dies selbstverstandlich tun.
Nähere Auskünfte sind über die Kinderklinik, Telefon 03695/646341, erhältlich.
SUSANN MESSERSCHMIDT

 
 
 

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