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STILLBERATUNG
Freies Wort, 29.09.2005

STILLBERATUNG: In der neuen Stillgruppe des Bad Salzunger Klinikums können Mütter ihr Herz ausschütten und werden beraten.

Wissensdurst rund um die erste Ernährung

„Von anderen Müttern hört man oft, dass alles prima läuft", sagt Annett Barnisch. Seit sie zur bislang einzigen Stillgruppe im Altkreis ins Klinikum Bad Salzungen kommt, habe aber sie erfahren, dass andere Mütter dieselben Probleme wie sie haben. BAD SALZUNGEN - Die fangen beim richtigen Anlegen, dem Rhythmus und der Stillposition an und reichen über Ernährungsfragen in der Stillzeit bis hin zu individuellen Problemen der jungen Mütter, erklärt die leitende Hebamme, Doris Behrends. Die starke Nachfrage nach dem neuen Angebot zeigt den Wissensdurst rund um die erste Ernährung. Ihren kleinen Cedrik hat Annett Barnisch schließlich für ein halbes Jahr voll gestillt, bevor sie mit dem Zufüttern angefangen habe - dank der Hilfe von Doris Behrends. Im Jahr 2002 hat sie eine zweijährige Ausbildung zur Laktations- und Stillberaterin abgeschlossen und betreut seit Frühjahr dieses Jahres acht bis zehn junge Mütter in Bad Salzungen. „Der Wert des Stillens und der Muttermilch ist längst bewiesen", betont Doris Behrends. Gestillte Säuglinge erkranken im ersten Lebensjahr seltener an Infektionskrankheiten und neigen im späteren Alter weniger zu Übergewicht und haben ein niedrigeres Allergierisiko. Stillen sei damit die kostengünstigste und effizienteste Gesundheitsvorsorge. „Außerdem wird beim Stillen Energie verbraucht und dabei nehmen Mütter nach der Geburt leichter wieder ab." Für heutige Mütter ist das ein durchaus bedeutsames Argument, weiß die Hebamme. Dennoch werden junge Mütter immer noch verunsichert, wenn es um eine der natürlichsten Sachen der Welt geht. ,Was, du stillst immer noch?´ sei eine der Fragen, die immer wieder zu falschen Zweifeln führen. Auch Ute Möhring weiß, wie groß der Einfluss des Umfeldes im Alltag sein kann. „Ohne die Motivation von Doris hätte ich wohl nicht so lange gestillt", resümiert die Mutter von Matilda. Beide sind schon seit der Gründung der Stillgruppe dabei und kommen immer noch gerne. Für das Klinikum, unter dessen Dach die Stillgruppe als Zusatzangebot zu Geburtsvorbereitung und Wochenbettberatung angeboten wird, soll natürlich auch die Attraktivität gesteigert werden.

 

„Wir sind auf dem Weg zur Anerkennung als stillfreundliches Krankenhaus", das werde für die Frauen bei der Wahl des Geburtsortes immer wichtiger, erklärt die Chefärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Dr. med. Kornelia Franke. Nach Doris Behrends erwerbe nun auch Annett Reinhard, Schwester und Hebamme, den Titel International Board Certified Lactation Consultant (IBCLC), um die Gruppe auf Dauer abzusichern. Schließlich ist die Nachfrage offensichtlich groß und der vorgesehene Raum reicht schon jetzt kaum noch aus. Acht bis zehn Mütter kommen derzeit einmal in der Woche für zwei Stunden ins Klinikum, so die Chefärztin. Die immer noch niedrigen Geburtenraten nötigen den Krankenhäusern nicht nur einen steigenden Wettbewerb um die Gebärenden ab. Sie zeugen auch von den schwierigen Bedingungen für junge Mütter und Familien und nicht zuletzt von der gesunkenen Bedeutung, die Generativität in der Gesellschaft hat. Zwar steigen die Raten seit dem Ende der neunziger Jahre wieder leicht aber schon dieses Jahr werden die 410 Geburten aus dem vergangenen Jahr in Bad Salzungen wohl nicht erreicht, so Dr. Franke. In Thüringen kommt die Abwanderung als weiteres großes Problem dazu. Trotz Steigerung sei die Geburtenrate zweifellos zu niedrig. Auch deshalb sei die Unterstützung der Mütter in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Wenn Freunde und Bekannte die Nase rümpfen, weil es schon wieder ums Baby geht, sprechen sich die Mütter bei Doris Behrends aus dem Herzen. Auch das ist ein legitimes Anliegen der Gruppe. Sandra Kraupner, die mit ihrer Marie Gisele eigentlich keine Stillprobleme hat, kommt vor allem wegen der Kontakte zu anderen Mütter her. Oft gehe es um die Entwicklung des Kindes im Allgemeinen und natürlich auch darum, andere zu motivieren. Fachlich gebe es dabei keine Abstriche. Die Ausbildung sei europaweit anerkannt und ein erster Schritt zu besagter Anerkennung durch die Nationale Stillkommission. Weitere Informationen zur Stillberatung im Bad Salzunger Klinikum gibt es bei Doris Behrends unter der Telefonnummer 03695/644446 oder per E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.

VON SASCHA WILMS


Fr. Behrends (li.) mit einer der Muttis

 
 
 

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