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Hilfe zum Leben und zum Sterben
stz, 24.10.2005
Pallum ist lateinisch und heißt Mantel. Daher kommt der Ursprung der Palliativmedizin. Sie soll den Schwerstkranken wie ein Mantel in den letzten Tagen seines Lebens schützend umhüllen.


BAD SALZUNGEN - Der Tod. Kein Thema werde in dieser Gesellschaft so verdrängt wie die Tatsache, dass das Leben endlich ist. Die Menschen wollen ewig jung bleiben, attraktiv, gesund und leistungsfähig. Für viele Menschen seien Alter und Krankheit ein Makel, den es zu verhindern gelte. Deshalb seien die meisten auch überfordert, wenn die modeme Medizin nicht mehr helfen kann, wenn sich das Leben dem Ende neigt. Ein weißer Fleck, den es auszufüllen gelte, sagt Dr. Christina Ebert, die Initiatorin eines Konsiliarteams (Beratergruppe) Palliativmedizirl am Klinikum Bad Salzungen, dem neben Dr. Ebert, Dr. Roland Schneider, die Krankenschwestern Martina Rottenbach, Heike Fritzsche und Sozialarbeiterin Sonja Meißner angehören. Diese Beratergruppe gründete sich in der vergangenen Woche. Alle im Team befinden sich noch in einer Forbildung Palliativmedizin oder haben sie bereits beendet, informiert Dr. Ebert. An diese Spezialisten können sich Ärzte und Schwestern wenden, wenn sie Hilfe bei der Betreuung schwerstkranker Patienten benötigen. Palliativmediziner werden exzellent ausgebildet. Dabei gehe es nicht nur um die medizinische Seite (Schmerztherapie, Physiotherapie, medikamentöse Symptomkontrolle). Es werde vor allem auch die Kommunikations- fähigkeit geschult. Man lerne Patienten in einer sehr schwierigen Phase zu begleiten (psychische, soziale und spirituelle Aspekte). Auch der Umgang mit den Angehörigen gehöre dazu, die mit der Situation oft mehr überfordert sind als die Patiensten selbst. In der Palliativmedizin stehe im Unterschied zur aktiven Sterbehilfe nicht das Sterben, sondern die Qualität des verbleibenden Lebens im Mittelpunkt. Neben der optimalen Behandlung von Schmerzen gehört eine einfühlsame Hilfe dazu, wenn Patienten und Angehörige verzweifelt sind und Angst haben. Die Palliativmedizin sei auch für das Klinikum in Bad Salzungen Neuland, ergänzt Geschäftsführer Harald Muhs. Zurzeit seien die schwerkranken Patienten noch auf den einzelnen Stationen untergebracht. Das Klinikum werde sich um Planbetten für Hospizpatienten bemühen. In Thüringen soll es davon 90 geben, bisher seien es 31, so dass Muhs Chancen für das Bad Salzunger Klinikum sieht. Ein stationäres Hospiz dagegen sieht er dagegen als fast unbezahlbar an. Deshalb bemühe sich das Klinikum darum, eine ambulante Hospizbewegung ins Leben zu rufen.

"Wir brauchen ein Netzwerk von Palliativmedizinern im Kli'riikum und vielen Ehrenamtlichen, die bereit sind, sich dieser Aufgabe zu stellen. Aufgabe der Mediziner und der ehrenamtlichen Hospizgruppe sei, die Isolation Sterbender in der Gesellschaft zu überwinden und das Sterben menschen- würdiger zu gestalten. In diesem Prozess profitieren nicht nur der Patient und dessen Angehörige, sondern auch der Betreuer selbst, indem er sich in der Begegnung mit dem Menschen am Ende ihres Lebens mit dem eigenen Tod auseinander setzt, ist Dr. Ebertüberzeugt. Sie möchte gemeinsam mit der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz und Palliativmedizin mit Sitz in Meiningen und Jena dazu beitragen, dass die ehrenamtlichen Hospizhelfer gut aus- gebildet werden. Die Helfer müssen dazu befähigt und in regelmäßigen Treffen begleitet werden, damit sie "diesen unverzichtbaren Beitrag zum Würdig-Leben bis zum letzten Augenblick" auch leisten können. Dabei seien sie nicht allein gelassen. Sie wirken in enger Zusammen- arbeit mit der Beratergruppe am Klinikum und den Hausärzten, verspricht Dr. Ebert. Einen ersten Partner für das künftige Netzwerk hat Dr. Christina Ebert bereits im Seniorenbüro der Stadt Bad Salzungen gefunden. Dort, am Standort des alten Krankenhauses in der Langenfeider Straße in Bad Salzungen, wird auch am Donnerstag, 27. Oktober, 19 Uhr, eine erste Informationsveranstaltung zur Gründung einer lokalen Hospizgruppe stattfinden. Alle Interessierten sind eingeladen. Fragen zu dieser Veranstaltung beantwortet Eckard Vinz vom Seniorenbüro in Bad Salzungen unter der Telefonnummer 03695/ 604601. Wer Fragen zur Palliativmedizin hat, kann sich unter der Telefonnummer 03695/ 644535 an das Klinikum in Bad Salzungen wenden. Wer Interesse an einer Ausbildung zum ehrenamtlichen Hospizhelfer hat, wird über dasKlinikum und die Landarbeitsgemeinschaft Hospiz und Palliativmedizin umfangreich ausgebildet. Die Ausbildung dauert etwa ein Vierteljahr. Besondere Voraussetzungen dafür sind nicht nötig. Auch für das Personal des Klinikums sei die Palliativmedizin in den Fortbildungs- kalender aufgenommen worden. Die letzte Veranstaltung sei insbesondere vom Pflegepersonal mit so großem Interesse aufgenommen worden, dass eine Nachfolgeveranstaltung vereinbart werden musste, berichtet Dr. Christina Ebert. (wei)

 
 
 

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