Home Pressespiegel Presseartikel 2005 Niemals zögern - Notruf wählen!
Niemals zögern - Notruf wählen!
stz, 12.11.2005

HERZWOCHE Dr. Uwe Hohmann hielt Vortrag am Klinikum in Bad Salzungen / Ein Betroffener erzählt

Es ist der 26. September - ein Arbeitstag wie immer - Überstunden - längst normal. Nach dem Abendessen gegen 18.30 Uhr traf es den 52-jährigen Mann dann wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Die Brust wurde eng. Die Schmerzen strahlten bis in den linken Arm aus. BAD SALZUNGEN - Auch ein paar Runden im Garten, während der er versuchte, kräftig durchzuatmen, brachten keine Linderung. Zurückgekehrt und in Ruhe waren die Schmerzen wieder da. Angst hatte er da nicht. Doch er ahnte, dass etwas aus den Fugen geraten war und wählte den Notruf. Sein Glück. Im Klinikum Bad Salzungen ging alles sehr schnell. Diagnose: Herzinfarkt. Er wurde zur Herz- Katheter-Untersuchung nach Meiningen verlegt. Dort setzte man ihm zwei Stents. Dr. Uwe Hohmann, der im Salzunger Klinikum im Rahmen der Herzwoche einen Vortrag: „Herzinfarkt - unvermeidliches Schicksal?" hielt, verglich diese Stents mit einer Kugelschreiberfeder. Sie werden eingeführt und weiten die Verengung der Herzkranzgefäße. Der 52-Jährige hatte Glück. Wie nachfolgende Untersuchungen der Gefäße zeigen, gibt es keine weiteren Verengungen. Er arbeitet bereits wieder. Aber er hat das Warnsignal ernst genommen. „Als ich im Klinikum am Tropf hing und ganz allein im Zimmer lag mit der Diagnose Herzinfarkt - da ging mir dann doch die Muffe." Es war an der Zeit, das Leben zu überdenken. Seine letzte Zigarette rauchte der Mann, der täglich zwischen 25 bis 30 Zigaretten konsumierte, an diesem 26. September. Vor dem Infarkt bestand seine einzige Bewegung in der Gartenarbeit. Heute bemüht er sich, mindestens 20 Minuten täglich spazieren zu gehen. Beruflich will er es ruhiger angehen. Vor allem will er lernen, abzuschalten. „Dieser permanente Druck im Hinterkopf, den man am Ende gar nicht mehr spürt, kann tödlich sein." Es geht leider vielen Patienten so, dass sie der Herzinfarkt aus heiterem Himmel trifft, bestätigt Dr. Hohmann in seinem Vortrag.

 

„Doch wenn sich solche Symptome zeigen, wie eine länger als fünf Minuten andauernde Enge im Brustkorb, Schmerzen in den Armen, im Nacken, zwischen den Schulterblättern, im Hals und Kieferbereich - dann wählen Sie den Notruf 112 und schildern Sie ihre Beschwerden als lebensbedrohlich", rät der Arzt, der seit mehr als 20 Jahren Herzpatienten betreut. Auch Magenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Bewusstlosigkeit können auf einen Herzinfarkt hinweisen. Niemand werde schimpfen, wenn es sich dann nicht um einen Infarkt handelt. „Doch ist es einer, zählt jede Minute." Zum Beispiel könne ein Verschluss der Herzkranzgefäße medikamentös nur in den ersten sechs Stunden nach dem Infarkt aufgelöst werden. Danach könne nur noch mit Operationen geholfen werden, beispielsweise mit dem Einsetzen von Stents oder Bypässen. Einem Herzinfarkt kann eine lange Krankengeschichte vorausgehen, beschreibt Hohmann. Meist beginnt es mit einer Arteriosklerose. Die Gefäße setzten sich mit dem so genannten Plaque zu, der meist aus Fetten, Cholesterin und Harnsäure besteht. Volkstümlich heißt es, sie verkalken. Zu einem Infarkt kommt es erst, wenn dieser Plaque aufplatzt und das Gefäß verschließt. Das Blut, welches dann nicht mehr fließen kann, gerinnt, Teile des Herzmuskels werden nicht mehr versorgt und sterben ab. Das sei nicht reparabel. Deswegen gehe es um jede Minute. Denn je mehr Herzmuskelgewebe in Mitleidenschaft gezogen werden, um so mehr Pumpleistung des Herzens gehe verloren. Könne nach einem Herzinfarkt eine Pumpleistung von mehr als 70 Prozent erhalten werden, sei das ein gutes Ergebnis. Unter 20 Prozent werde es kritisch. Um einem Herzinfarkt vorzubeugen, rät der Mediziner auf das Rauchen zu verzichten, die Mittelmeerküche (viel Salat und Fisch, wenig Fleisch, viel Obst und Gemüse) zu bevorzugen und sich täglich mindestens 30 Minuten zu bewegen. Auch den Blutdruck sollte man regelmäßig kontrollieren lassen. Als Durchschnittswert gab Hohmann 140 zu 90 an. Ein Patient, bei dem bereits Herzbeschwerden ( Angina pectoris) aufgetreten sind, sollte auf einen plötzlichen Leistungsabfall achten. Hinweise für einen sich anbahnenden Infarkt können auch sein, dass die Schmerzen stärker und häufiger auftreten. (wei)

 
 
 

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