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HUMANITÄRE HILFE

stz, 17.11.2005
Der kleine Patient aus Afghanistan im Klinikum Bad Salzungen hat große Fortschritte gemacht

Stehen - die nächste Herausforderung

Sitzen kann Baby Mohammad, der „Liebling der Station", inzwischen schon ganz prima. Jetzt lernt er stehen. Ohne spezielle Hilfsmittel könnte er das aufgrund seiner Erkrankung nicht. Der Salzunger Orthopädie-Mechaniker-Meister Cornelius Winkler sorgte dafür, dass der Kleine diese Hilfen bekam. Unentgeltlich.

Sitzen kann Baby Mohammad, der „Liebling der Station", inzwischen schon ganz prima. Jetzt lernt er stehen. Ohne spezielle Hilfsmittel könnte er das aufgrund seiner Erkrankung nicht. Der Salzunger Orthopädie-Mechaniker-Meister Cornelius Winkler sorgte dafür, dass der Kleine diese Hilfen bekam. Unentgeltlich. BAD SALZUNGEN - Ungefähr ein Jahr alt ist Mohammad Shafia inzwischen. Seit August wird der Junge aus Afghanistan, der über „Friedensdorf international" nach Deutschland kam, im Klinikum Bad Salzungen behandelt. (stz berichtete) Eine chronische Knochenmarkentzündung im rechten Oberschenkel hatte dazu geführt, dass das gesamte Hüftgelenk zerstört wurde. Zweimal wurde Mohammad operiert. Nach der ersten OP brauchte er eine Bluttransfusion, weil die lange Entzündung auch Anä-mie (Blutarmut) zur Folge hat-te. Trotz allem, was der Kleine wegen seines schlimmen Leidens mitmachen musste, ist er „immer freundlich, immer gut gelaunt", sagt Oberärztin Dr. Kathrin Georgi-Rubner bewundernd. Aufgeweckt und neugierig, wie das Kerlchen ist, „spielt und lacht er mit jedem, der hereinkommt". So auch gestern, als eine Spendenübergabe anstand. Zwar war Mohammad da gerade am Essen, ließ sich genüsslich Löffelchen für Löffelchen leckeren Früchtebrei in den Mund schieben - aber dann fand er die Leute, die an der Tür auftauchten, doch so interessant, dass sein Brei erst einmal zur Nebensache wurde. Mit einem „Ei" und fuchtelnden Händchen begrüßte der Wonneproppen die Besucher. Die Spende, die überbracht wurde, soll Mohammad helfen, im wahrsten Sinne des Wortes auf die Beine zu kommen. Hintergrund: Als die Kinderstation des Klinikums bei der Firma Orthopädietechnik Winkler in Bad Salzungen die Anfertigung einer fixierenden Beinorthese für den kleinen Patienten in Auftrag gab, nahm Cornelius Winkler, wie er sagt, „diese Herausforderung gerne an". Um eine Schiene, die Oberschenkel und Hüfte sichert, wenn Mohammad jetzt laufen lernt, ging es.

Die Herstellung und Anpassung - es handelt sich um ein handgemachtes, kein serienmäßig hergestelltes Hilfsmittel - übernahm der Orthopädie-Mechaniker-Meister unentgeltlich. Die Firma Winkler reihte sich damit in die Gruppe der Helfer ein, die sich seit August für den Jungen aus Afghanistan engagieren. Und damit diese Hilfe weitergehen kann, übergab Cornelius Winkler gestern eine Spende in Höhe von 1000 Euro. „Ich denke, das ist gut angelegt. Wir verzichten in diesem Jahr auf die sonst üblichen Weihnachtspräsente und lassen es dem Kind direkt zugute kommen." In den nächsten Wochen wird Mohammad nun sicher lernen, sich alleine hochzuziehen und zu stellen, schätzen alle ein, die ihn so liebevoll umsorgen und über die letzten Wochen beobachten konnten, wie prächtig er sich herausmacht und aufholt, was in seiner Entwicklung aufgrund der schweren Erkrankung verzögert war. Allerdings: Ohne Hilfsmittel wird er sein Leben lang nicht auskommen. „Jetzt päppeln wir ihn noch weiter auf", sagt Dr. Kathrin Georgi-Rubner. Doch der Tag, an dem der „Liebling der Station" das Klinikum verlassen wird, rückt näher. Im Februar findet der nächste Afghanistan-Einsatz von „Friedensdorf international" statt - mit diesem Flieger wird Mohammad Shafia voraussichtlich in sein Heimatland zurückkehren. In Kabul warten nach Angaben der Hilfsorganisation Eltern und Geschwister auf ihn. Vor dem Rückflug gibt es noch eine Zwischenstation im Friedensdorf Oberhausen. Ein Wiedersehen ist nicht ausgeschlossen. „Von den Mitarbeitern des Friedensdorfes erfuhren wir, dass die afghanischen Kinder, sofern nötig, auch mehrfach zur Behandlung nach Deutschland kommen können", berichtet Verwaltungsleiterin Birgitt Schroth. Es sei schon angedacht, dass Mohammad in zirka einem Jahr noch einmal herkommt, fügt Kathrin Georgi-Rubner hinzu - „vielleicht zu uns, vielleicht in eine andere Klinik". (sm)


Mohammad ist neugierig, nimmt lebhaften Anteil an seiner Umwelt. Der große Scheck, der da plötzlich in seinem Klinikbett auftauchte, wurde sorgfältig begutachtet (mit im Foto v. l. Verwaltungsleiterin Birgitt Schroth, Cornelius Winkler, Oberärztin Dr. Kathrin Georgi-Rubner). - FOTO: HEIKO MATZ

 
 
 

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