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Das Klinikum ist eine Perle
stz, 25.11.2005

Bad Salzungen - "Tut das weh?" Nein, sagt die Patientin auf der Liege. "Dabei spritze ich grade ein Medikament direkt ins Mittelohr" - eine recht neue Behandlungsmethode, die Peter lecker im Krankenhaus in Bad Salzungen eingeführt hat. Er ist seit einigen Wochen Chefarzt der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.

 

Mitgebracht hat er die Methode aus Mainz. Dort hat Privatdozent Dr. med. Peter Jecker bisher als Oberarzt im Krankenhaus gearbeitet. Auf die Ausschreibung der vakanten Chefarztstelle in Bad Salzungen hat er sich "ganz normal beworben", Anfang Dezember wird er vor Kollegen und Gästen seinen Einführungsvortrag halten. Zu einem Thema, mit dem er sich schon lange befasst - Reflux, Nicht-Medizinern als "Sodbrennen" ein Begriff. Er hat es nicht nur gewählt, weil er auch auf diesem Gebiet neue Methoden nutzen möchte - das entsprechende Gerät, das auf seine Initiative angeschafft worden sei, "dürfte das einzige im Umkreis von 200 Kilometern sein". Vor allem ist das Thema ein interdisziplinäres, "das auch für andere Ärzte eine Rolle spielt". Der Gedanke sei ihm wichtig, dass in Bad Salzungen Wert auf die Zusammenarbeit gelegt werde, "dass wir hier ein Klinikum sind". Was viele Möglichkeiten eröffne und vor allem verhindere, "dass der Patient nur eine Nummer ist". Sehr gute Möglichkeiten sieht Peter Jecker auch für sein Fachgebiet. Die technischen Möglichkeiten seien "nicht schlecht", der OP "auf dem neuesten", Mikroskop- und Lasertechnik "auf sehr gutem Stand". Wichtig, weil er Wert darauf lege, das "gesamte operative Gebiet" der Hals-Nasen-Ohren- Heilkunde abzudecken - und wichtig, weil Operationen arn Kopf oft heikel sind, "ein Zentimeter weiter, dann kommt das Gehirn". Er plane, die Behandlung von Hörstürzen und Schwindelerkrankungen zu intensivieren, auch die noch wenig verbreitete Phonochirurgie, "stimmverbessernde Operationen", auszubauen. Aber: "Ich mache ungern den zweiten Schritt vor dem ersten - es wird sich ergeben". Die Arbeit in Bad Salzungen hat Peter Jecker damit begonnen, "Behandlungspfade zu erstellen und festzuschreiben". Was nicht heiße, dass nicht jeder Patient individuell betreut werde, was aber sein müsse, "damit einheitlich behandelt, dass nicht heute so und morgen so entscbieden wird". Im Zusammenwirken von Ärzten, Therapeuten und Schwestern "muss jeder blind wissen, was der andere tut". Ein Ziel, dessen Verwirklichung er mit dem bestehenden Team optimistisch betrachtet - Dr. Reinhard Huch, "der hier viele Jahre das Zepter geführt hat", habe offensichtlich "keine schlechten Personalentscheidungen getroffen". Es habe ihn "überrascht", wie "extrem freundlich und kooperativ" seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihn empfangen hätten. Bis jetzt, sagt der Chefarzt, "habe ich nur gute Erfahrungen gemacht". Peter Jecker ist im nieder- sächsischen Nordhorn geboren, hat in Hannover studiert, in Harmburg und Hannover gearbeitet, ist in Aachen zum Facharzt ausgebildet worden. "Zwischendurch", erzählt der 41-Jährige, "bin ich eine Weile in Australien gewesen" - ein Forschungsstipendium, das er genutzt hat für die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Schleimhaut- Immunsystem. Nein, für weitere Grundlagenforschung werde ihm in Bad Salzungen keine Zeit bleiben - "ne Menge Arbeit hier". Klinische Forschung will er trotzdem weiter betreiben, "die Schubladen sind noch voll mit Material". Auch werde er weiter Studenten unterrichten, in Mainz und in Jena Vorlesungen halten, habe als habilitierter Mediziner eine Lehrverpflichtung. Die er geme wahrnehme. Und die auch honoriert worden ist 2003 hat Peter Jecker den Preis der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz für "herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Lehre" bekommen. Inzwischen ist der neue Chefarzt nach Bad SaIzungen gezogen. Seine Frau und die beiden Kinder sollen im Frühjahr nachkommen. Ob er das Großstadtleben nicht vermissen wird? Er schüttelt den Kopf - die Kinder sind noch klein, die Tochter drei, der Sohn sechs Jahre alt, eine Familiensituation, sagt Peter Jecker, in der "sich das Leben zu Hause abspielt". Das Privatleben sei ihm "unbedingt wichtig", die Familie "genau so wichtig wie die Arbeit". Und er sehe die Vorteile der ländlichen Region "die Wege sind kurz, man kann alles schnell erledigen". In Hamburg "stand ich morgens eine Dreiviertelstunde im Stau und abends wieder". Nicht das, was man vermissen könne. Nach den ersten AusflÜgen und Fahr. ten in der Umgebung befinde er außerdem, dass "die Region ausgesprochen schön ist". Und sein neuer Arbeitsplatz, "das Klinikum, das ist echt ne Perle". (m) CA Dr. med. P. Jecker


CA Dr. med. P. Jecker

 
 
 

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