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Neuer Ärztedienst sitzt dann im Klinikum
stz, 17.12.2004
Ambulanter ärztlicher Bereitschaftsdienst neu organisiert / Sitz- und Fahrdienst / Der Ärztemangel macht sich bemerkbar. BAD SALZUNGEN - "Wenn ein Patient etwas hat, das er gern loswerden möchte, dann ist er ab diesem Datum im Klinikum Bad Salzungen richtig", sagt Dr. Rita Heidt von der Kreisstelle der Kassenärztlichen Vereinigung. Hier werden Räumlichkeiten, die tagsüber als Funktionsräume des Krankenhauses genutzt werden, ab 13 bzw. 19 Uhr von einem diensthabenden niedergelassenen Arzt besetzt: An diesen sollen sich jene wenden, die sonst den Bereitschaftsdienst in ihrer Umgebung informiert hätten. Die Patienten sollen möglichst gleich vor Ort erscheinen; nur wenn sie bettlägerig sind, ist eine telefonische Kontaktaufnahme vorher angeraten. Neben dem "Sitzdienst" gibt es einen " Fahrdienst", der sich um solche Fälle kümmert und über dies bis zum nächsten Tag um 7 Uhr einsatzbereit ist. Geregelt wird ein Arztbesuch am Bett über eine Telefonnummer, die noch bekannt gegeben wird. Wer eine schwere Verletzung, einen Unfall oder Ähnliches erlitten hat, ist weiterhin in der Notaufnahme des Krankenhauses richtig. Damit es kein Durcheinander für die Patienten gibt, wird der ambulante ärztliche Bereitschaftsdienst im Klinikum (zu ebener Erde angesiedelt, in der Nähe der Röntgenabteilung) durch Aufsteller im Flur gekennzeichnet, verspricht Dr. Siegfried Lakomy, Notfalldienst-Obmann der Kassenärztlichen Vereinigung im Altkreis. Als Wartezimmer werden Räume des Klinikums dienen. Lakomy, der 15 Jahre lang den herkömmlichen Bereitschaftsdienst organisiert hat, erklärt auch, warum man überhaupt etwas anders machen muss - "Zunehmende Überalterung der Ärzteschaft, Krankheitsfälle auch unter Ärzten und der fehlende Nachwuchs zwingen uns dazu, den Notfalldienst anders zu organisieren". Im Altkreis Bad Salzungen liegt das Alter der Ärzte bei 53,9 Jahren. 95 niedergelassene Ärzte könnten sich insgesamt am Notfalldienst beteiligen, rund 30 davon sind aus Alters- oder Krankheitsgründen befreit. Knapp 70 Ärzte also bleiben übrig, um die Versorgung der Patienten zu sichern. "Mindestens 15 bis 20 Kollegen werden in den nächsten fünf Jahren aufhören - daran müssen wir jetzt schon denken", so Lakomy.

Dass das Modell bei weitem nicht bei allen Ärzten auf große Gegenliebe gestoßen ist, verschweigt er nicht. "Die Ärzte befürchten auch zeitlich große Probleme, denn das Einsatzgebiet ist sehr groß", so Lakomy. Vom Anruf bis zum Hausbesuch könnten im schlimmsten Fall drei bis vier Stunden vergehen. Dipl.-Med. Markus Spiegel aus Dermbach sieht möglicherweise eine Patientenflut auf den dann einzigen Diensthabenden zukommen, zudem müsse dieser Arzt noch alles mit dem Fahrdienst koordinieren. Das "Dispatching" der Leitstelle des Wartburgkreises zu übertragen, sei trotz Verhandlungen nicht gelungen, so bedauert Dr. Siegfried Lakomy ausdrücklich. Auch die hessischen Kollegen, die zum Teil thüringische Patienten behandelten, seien nicht bereit, sich am Notfalldienst im Wartburgkreis zu beteiligen - auch eine Frage der geringeren Vergütung im Osten, hieß es. "Es ist eine Probephase, wir werden nach vier Wochen genau analysieren, wie es läuft und wo die Prpbleme liegen", so Lakomy. Er wie auch Rita Heidt versuchen dem Ganzen Positives abzugewinnen: Ärzte hätten nun nicht mehr 12 Mal im Quartal, sondern nur noch drei- oder viermal Bereitschaft, und obendrein sichere die Nähe zum Krankenhaus diagnostische Möglichkeiten, die man am Krankenbett sonst nicht habe. Dem Patienten komme freilich nun auch eine höhere Verantwortung zu - er muss bewusster als vorher entscheiden, ob er einen Bereitschaftsdienst in Anspruch nimmt. Augen- und Kinderärztliche Bereit- schaft bleiben übrigens wie bisher. Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen nennt das Modell "innovativ". Auch in Gotha-Ohrdruf und in Waltershausen- Friedrichroda organisieren Ärzte den Notfalldienst neuerdings so. Vor allem in der Nähe zum Klinikum sieht Matthias Zenker, Referent für Grundsatzfragen, einen Vorteil. Den sieht auch Joris Schikowski, Medizincontroller am Klinikum Bad Salzungen: Von den Kollegen bekommt man Patienten nun aus "erster Hand", wenn diese nicht mehr weiterhelfen können. (fr) Erreichbarkeit Mo., Die., Do.: 19 bis 23 Uhr; Mi., Fr.: 13 bis 23 Uhr; Sa., So., Feiertage: 7 bis 23 Uhr.
 
 
 

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