|
stz, 09.04.2003
Medizinische Fachschule bald privatisiert? Wenn der Kreistag es heute so beschließt, soll die Medizinische Fachschule mit dem Schuljahr 2004/2005 ins alte Krankenhaus im Zentrum von Bad Salzungen einziehen. Bedingung: Für die bisher staatliche Schule wird ein privater Träger gefunden und das Thüringer Kultusministerium stimmt dem zu.
BAD SALZUNGEN - Der Kreisausschuss hatte bei vier Ja-Stimmen (CDU) und drei Enthaltungen (SPD/PDS) dem Kreistag die Beschlussvorlage empfohlen. Kreisbeigeordnete und Schuldezernentin Claudia Döring versuchte, dem Ausschuss die Privatisierung der Schule schmackhaft zu machen. Gegründet werden soll eine gemeinnützige GmbH, an der das Bad Salzunger Klinikum, als einhundertprozentige Tochter des Wartburgkreises, 49 Prozent hält. Für die anderen 51 Prozent sollen Kurklinikbetreiber der Region gewonnen werden. Zurzeit laufen bereits Gespräche mit allen Kurkliniken in Bad Salzungen, Bad Liebenstein und Stadtlengsfeld, um sie mit ins Boot einer privaten Medizinischen Fachschule zu bekommen. Döring sieht in der privaten Trägerschaft Vorteile, weil damit der Bestand der Schule langfristig gesichert werden könne. Wenn der potenzielle Arbeitgeber der Auszubildenden Träger der Schule ist, habe er bessere Einflussmöglichkeiten auf das Bildungsangebot der Schule. Außerdem könne er sich die besten Schüler als Nachwuchs aussuchen. Die Azubis wiederum seien näher an ihren künftigen Arbeitgebern dran, könnten bereits während der Ausbildung Kontakte knüpfen, argumentierte Döring. Mit dem Umzug auf den Altstandort Krankenhaus seien auch umfangreiche Baumaßnahmen verbunden. Auf die könnten die Träger dann auch bereits Einfluss nehmen, argumentierte Döring.
Ulrich Weldner (SPD) drang darauf, dass der Landkreis in der zu gründenden gemeinnützigen GmbH mit 49 Prozent möglichst Mehrheitsgesellschafter bleiben sollte, um auf die Schule auch entsprechenden Einfluss zu haben. Das bedeutet, dass möglichst mehrere Kurklinikbetreiber mit ins Boot geholt werden. Diese Meinung vertrete auch der Schulausschuss. Außerdem erinnerte Weldner daran, dass der Lehrbauhof Bad Salzungen ein wirtschaftliches Problem bekommen könnte, wenn die Medizinische Fachschule auszieht (fehlende Mieteinnahmen). Zwar sei das ein zweitrangiges Problem. Trotzdem werde der Landkreis versuchen, auch dem Lehrbauhof zu helfen. Gespräche seien bereits anberaumt, betonte DÖring. Außerdem forderte Weldner für den Schritt eine gute Öffentlichkeitsarbeit. Den Menschen müsse die Angst genommen werden, dass mit der Privatisierung hohe 'Schulbeiträge verbunden sein könnten. Professor Dr. Hans-Jörg Lessig (PDS) gestand zu, prinzipiell darüber nachdenken zu können, die Medizinische Fachschule zu privatisieren. Was ihm nicht schmecke, seien die "nur 49 Prozent der Anteile für den Landkreis". Für eine Kurregion sei die Idee, in der GmbH das Bad Salzunger Klinikum und die Kurbetreiber zusammenzuführen, eine interessante Idee. Claudia Döring stellte noch einmal klar, dass laut Gesetz zur Privatisierung von Schulen in Thüringen Landkreise und auch ihre einhundertprozentigen Töchtergesellschaften maximal 49 Prozent der Anteile halten dürfen. Dann könne er nur den Wunsch der SPD unterstützen, dass möglichst mehrere Kurbetreiber für die Schule gewonnen werden sollten, schob Lessig nach. Die Medizinische Fachschule besuchen mit Stand vom 11. Februar 325 Schülerinnen in Vollzeitschulform. Ausgebildet werden im Berufsfeld Gesundheit zurzeit Kinderpfleger, Masseure, Krankenpfleger, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und Heilerziehungspfleger. (wei)
|