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Ambulant vor stationär kostet Geld

stz, 29.11.2003
Geschäftsführung des Klinikums berät über Sparprogramm / Umstrukturierungen sind notwendig Bad Salzungen leidet wie alle anderen Krankenhäuser in Deutschland unter den Folgen der Gesundheitsreform. Wie Geschäftsführer Wolfgang Mauritz bestätigte, fehlen dem Haus nach ersten Überrechnungen in Zukunft jährlich über zwei Millionen Euro.

BAD SALZUNGEN - Auf diese Situation müsse reagiert werden, bevor das Unter- nehmen in die roten Zahlen rutscht, unterstreicht Wolfgang Mauritz. Dabei nehme das Klinikum selbst eine positive Entwicklung. Das Haus habe sich einen guten Ruf erworben, allein 13 700 Patienten wurden im letzten Jahr betreut. Doch die Gesundheitsreform schlage sich auch in Bad Salzungen nieder. Die Aus- wirkungen aller Neuregelungen über- schlagen, müsse das Klinikum jährlich mit durchschnittlich 1000 bis 1100 Patienten weniger rechnen. Grund: Der neue Slogan "ambulant vor stationär" bleibt nicht ohne Auswirkungen. So liege im Haus ein Katalog vor, für welche Operationen die Kassen von 2004 an nur noch den ambulanten Kostensatz tragen. Betroffen seien vor allem die Frauenheil- kunde, die Hals-Nasen-Ohren- Abteilung und die Chirurgie. Beispielsweise können die Ausschabungen und Sterilisationen bei Frauen, das Entfernen der Rachenmandeln oder das Entfernen von Krampfadern sowie von Metallteilen nach Operationen nur noch ambulant behandelt werden. Zusätzlich müsse das Klinikum Bad Salzungen wie jedes andere Krankenhaus ein Prozent des Umsatzes als Anschubfinanzierung für die so genannte integrierte medizinische Versorgung abführen. Mit diesem Geld soll in Zukunft die Zusammenarbeit zwischen Kassenärzten, Krankenhäusern und Rehakliniken verbessert werden. Auch die Fallkostenpauschale nach dem Gesundheitsmodernisierungsgesetz bringe Einschränkungen. Werden im Jahr 2004 die Pauschalen je nach Diagnose und Schweregrad der Erkrankung des Patienten noch individuell für die einzelnen Kliniken gezahlt, gebe es von 200S an dafür eine landeseinheitliche Basisrate. Wolfgang Mauritz verschweigt nicht, dass das neue Haus mit seinem Standard kostenintensiv ist. "lm alten Krankenhaus hatten wir nur einen klimatisierten Operationssaal, heute sind alle klimatisiert." Die neue Medizintechnik fresse Energie und auch das moderne Bewegungsbad koste Geld. Selbst die Ausstattung mit Brandmeldeanlagen oder mit Automatiktüren fällt in der Betriebskostenabrechnung ins Gewicht. Selbstverständlich sei auch die moderne Ausstattung der Patientenzimmer nicht umsonst. Wenn jedes Zimmer eine eigene Nasszelle hat, schnellen die Wasser- und Abwasserkosten in die Höhe. Deshalb müsse im Sachkostenbereich jeder Posten überprüft werden.

Wolfgang Mauritz ist sich sicher, dass sich durch Regulierungssysteme Heizkosten sparen lassen. Auch bei der Beleuchtung, insbesondere auf den Fluren, müsse geprüft werden, ob die volle Beleuchtung rund um die Uhr notwendig ist. Ein sensibles Thema für Mauritz ist die Einsparung von Personal. Fakt ist, dass das Haus über Tariferhöhungen und die Anpassungen des BAT (Bundesangestelltentarif) Ost-West allein in diesem Jahr Personalkostenerhöhungen im siebenstelligen Bereich zu verkraften hat. Trotzdem hofft der Geschäftsführer, so wenig Entlassungen wie möglich aussprechen zu müssen. Wie viele, dazu möchte sich Mauritz noch nicht äußern. "Wir sind erst in der Anfangsphase." Viele Abstimmungen, auch mit dem Personalrat, seien nötig. Wenn im Haus alles klar ist und die Mitarbeiter informiert sind, wird er die Öffentlichkeit informieren, verspricht er. Mauritz ist bewusst, dass die Mitarbeiter verunsichert sind. Doch werde die Ge- schäftsführung versuchen, den Sparkurs so transparent wie möglich zu gestalten. Deshalb habe er während einer Personal- versammlung bereits über die Lage informiert. Auch hier sei die Botschaft gewesen: "Wir müssen sparen und dem Trend steigender Kosten und sinkender Erlöse entgegensteuern, sonst könnte das Klinikum Bad Salzungen in einigen Jahren wirklich in Schwierigkeiten geraten." Der Geschäftsführer ist überzeugt, dass die Situation zu meistern ist und dass das Klinikum Bad Salzungen nicht zu den Krankenhäuser gehört, die der Markt- bereinigung zum Opfer fallen. Aber dafür müsse etwas getan werden. Dass eigentlich alle Krankenhäuser betroffen sind, beweist Wolfgang Mauritz am Beispiel des Klinikums Stuttgart. Dort rechne die Stadt bis 2007 für das Klinikum mit einem Defizit von 238 Millionen Euro. Die SANA-Betreibergesellschaft des Stuttgarter Klinikums habe selbst ein Defizit von 134 Millionen Euro angegeben. Auch dort werde ein Sofortprogramm gestartet. "Auch wenn wir gerade erst eingezogen sind, erfordert die Situation bereits Umstrukturierungen", sagt Mauritz. So werde die Patienten- aufnahme, die bisher dezentral in den Etagen drei bis fünf untergebracht ist, im Untergeschoss zentralisiert. Weiter werden alle Voraussetzungen für ambulante Oper- ationen geschaffen. Das gehe bis zum Angebot von kostenpflichtigen Hotel- zimmern im Haus, wenn sich der Patient direkt nach der Operation zu schwach fühlen sollte. (wei)

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