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Computer hilft, das Skalpell zu führen

Freies Wort, 10.05.2002
Nach Eisenberg ist Bad Salzungen Nummer zwei in Thüringen. Was hat der Computer mit einem neuen Hüftgelenk zu tun? Nicht, dass im Bad Salzunger Kreiskrankenhaus ein Roboter die Operationen übernommen hat, aber ein computergestütztes Navigationssystem gibt den Ärzten seit vergangenem Jahr Hilfestellung.


Bei der Kniegelenk-Implantation hilft in Bad Salzungen der Computer.
Bei der Kniegelenk-Implantation hilft in Bad Salzungen der Computer.

BAD SALZUNGEN -„Das wird sich auf alle Fälle durchsetzen, denn das ermöglicht eine weitere Steigerung der Qualität der Operationsergebnisse", umreißt Dr. Dietrich Großmann, Chefarzt der Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, die Bedeutung dieser neuen Methode, die vorher in Thüringen nur in Eisenberg angewandt wurde. Erfolgte bisher die Implantation einer Endoprothese des Kniegelenkes oder der künstlichen Hüftpfanne nach dem Röntgenbild, so kann der Öperateur nun auf ein dreidimensionales Modell des Körpers des Patienten zurückgreifen.

Dieses entsteht durch Computer-tomographie, deren Daten dann in einen Computer eingegeben werden. Auf dieser Grundlage wird die Operation geplant, wobei die Größe der Endoprothese oder der Hüftpfanne exakt bestimmt, das Ausmaß der Resektion der Gelenkfläche und die genaue Ausrichtung aller Beinachsen festgestellt werden.

„Bei der Operation sind alle Instrumente über Infrarotsonden mit dem Computer verbunden. Am Bildschirm bringen wir nun die genaue Lage der Instrumente, die Führung der Schnitte, die Einbringung der Endoprothese mit den entsprechenden praeoperativen Daten in Übereinstimmung. jedes Grad Abweichung wird uns sofort signalisiert", erläutert der Chefarzt die weitere Vorgehensweise im OP. Er hebt dabei hervor, dass im Gegensatz zur Roboterchirurgie der Operateur hier jederzeit die Möglichkeit hat, den Eingriff zu verändern, wenn eine Übereinstimmung der Daten oder des gewünschten Operationsergebnisses mit Planung unmöglich sind.

Angefangen hatte man im OP des Kreiskrankenhauses in Bad Salzungen im Oktober mit Kniegelenken, von denen mittlerweile 30 implantiert wurden. Nun stehen auch schon 20 künstliche Hüftgelenke zu Buche. „Der Nutzen des Verfahrens kommt vor allen Dingen unseren Patienten zugute. Denn damit gehen eine längere Haltbarkeit der Gelenke sowie eine noch bessere Funktion einher. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Möglichkeit der exakten Dokumentation unserer operativen Leistungen in allen Schritten", macht Dr. Dietrich Großmann die Vorteile deutlich. Mittlerweile denkt man in der chirurgischen Abteilung darüber nach, die Methode auch bei Kreuzbandoperationen, Beckenbrüchen und Korrekturen anzuwenden.

Eine wesentliche Grundlage dafür ist die Anschaffung weiterer neuer Software, die ständig vervollkommnet wird. „In das computergestützte Navigationssystem haben wir rund 168 000 Euro investiert. Eine zweite Software kostete in diesem Jahr noch einmal 40 000 Euro", macht Kreiskrankenhaus-Geschäftsführer Wolfgang Mauritz auf die finanziellen Dimensionen aufmerksam.

 
 
 

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