Home Pressespiegel Presseartikel 2002 Geheilt die Wunden, doch Noors Welt bleibt dunkel
Geheilt die Wunden, doch Noors Welt bleibt dunkel

Freies Wort, 18.02.2002

Bad Salzunger Ärzte behandeln minderjährige Kriegsopfer aus Afghanistan. Mit einem Stein hatte Noor aus Jalalabad auf das Ding geklopft. Die Mine, wann auch immer und von wem auch immer verscharrt in der endlosen Folge afghanischer Kriege, hat ihn aus dem Licht der Welt gerissen. 60 Tage ist es her: Mitte Dezember wurde Noor aus Jalalabad im Kreiskrankenhaus Bad Salzungen eingeliefert. Der Krieg der eifernden Stammesführer und Religionsfanatiker hatte nicht viel übrig gelassen von dem Jungen.

„ Ein Wunder, dass er überhaupt noch lebt“, sagte damals Dr. Werner Stoll, seit 21 Jahren der Leiter der Kinderklinik Bad Salzungen. Der Verein „Friedensdorf International“ hatte Noor und rund 30 andere schwer verletzte Kinder aus Afghanistan ausgeflogen. An der Landebahn in Düsseldorf warteten für alle Krankenwagen mit Blaulicht, die sie sofort auf Kliniken in ganz Deutschland verteilten. Noor, mit infizierten Wunden, zwei abgerissenen Armen, einem zerstörten Fuß, Splittern im Kopf und blinden, eitrigen Augen wurde zusammen mit dem 11-jährigen Wahidullah, der einen offenen Unterarmbruch mit infizierter Wunde hatte, nach Bad Salzungen gebracht.

Dort haben die Ärzte Noor wieder zusammengeflickt – so weit das möglich war. „15 Operationen“, sagt Dr. Stoll. jetzt sind Noors Wunden abgeheilt; wenigstens seinen Fuß konnten die Ärzte retten. Noor kann laufen. Acht Kilogramm hat er zugenommen. Er palavert mit Wahidullah.

Aber das ist äußerlich: Die Wunden im Inneren bleiben. „Er hat Heimweh, aber er spricht kaum über seine Heimat“, sagt die Dolmetscherin, die ihn im Auftrag des Vereins Friedensdorf betreut. Es ist eine afghanische Krankenschwester aus Bad Neustadt (Franken), die seit zehn Jahren in Deutschland lebt. Noor hat ihr erzählt, dass er eine Schwester hat und einen älteren Bruder. Sonst kaum etwas. Außer: Irgendwann hat er gespielt, einen Stein genommen und damit auf ein Ding geklopft. Dann hat er den Knall gehört. Die Mine hat Noor zerstört.

Für die leeren Höhlen hat ihm Harry Zitzmann von einer Augenprothetik aus Lauscha kostenlos zwei Glasaugen angefertigt. Eins trägt Noor schon, das andere wird erst in Oberhausen in der Klinik des Friedensdorfes eingesetzt, weil die Narben an Noors rechtem Auge noch einmal operiert werden müssen. Am Dienstag werden Noor und der ältere Wahidullah von Bad Salzungen nach Oberhausen verlegt. Für Wahidullah wird das nur ein kurzer Zwischenaufenthalt sein, denn am Samstag schon geht der nächste Hilfsflug des Friedensdorfes nach Afghanistan. Wahidullah darf an Bord: Dann wird er seine Eltern wiedersehen. Noor muss noch ein paar Wochen bleiben und sein Heimweh ertragen. Die Maschine, die nach Afghanistan fliegt, wird wieder Kinder nach Deutschland bringen.


Ihr Lachen ist zurückgekehrt: Noor und der ebenfalls behandelte Wahidullah kehren bald in ihre Heimat zurück.

 
 
 

Klinikum Bad Salzungen GmbH

Lindigallee 3
36433 Bad Salzungen

Telefon:
03695 / 64-0
Fax:
03695/64-1443

E-Mail:
info@klinikum-badsalzungen.de
Internet:
http://www.klinikum-badsalzungen.de

Arbeiten im Klinikum

arbeiten
Wir suchen Sie! Hier finden Sie unsere Stellenangebote.