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Leitlinien unserer Arbeit |
Die folgenden Leitlinien verstehen wir als Richtschnur unserer täglichen Arbeit. Sie wurden in intensiver Diskussion auf unterschiedlichen Ebenen erarbeitet. Wir betrachten sie als verbindlich. Auch wenn wir wissen, dass unser Tun ihnen nicht immer entspricht, so bemühen wir uns dennoch um ihre Verwirklichung. Sie sind veränderbar.
1. Wir verrichten unsere Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen.
2. Wir bemühen uns um fachliche Kompetenz und deren ständige Verbesserung. Dabei ist uns bewusst, dass unsere fachliche Kompetenz eine positive Wirkung nur auf dem Boden eines entsprechenden Menschenbildes entfalten kann.
3. Wir respektieren die Würde von Patienten und Kollegen. Deshalb begegnen wir ihnen so, wie wir möchten, dass auch mit uns umgegangen wird. An den Umgang untereinander legen wir die gleichen Maßstäbe an, die wir auch für uns in Anspruch nehmen.
4. Es ist uns bewusst, dass wir für die uns anvertrauten Menschen oft nur für kurze Zeit von Bedeutung sind. Deshalb haben wir Respekt vor der Lebensgeschichte eines Menschen. Dies gilt auch dann, wenn uns seine Biographie, seine Lebensweise und die Beziehungen zwischen ihm und seinen Angehörigen/Bezugspersonen zunächst fremd und befremdlich erscheinen. Wir bemühen uns, den anderen in seinem So-Sein zu verstehen.
5. Unsere Patienten sind unabhängig von den beklagten Beschwerden und unabhängig von unseren Diagnosen durch eine Gemeinsamkeit gekennzeichnet : sie alle leiden an einer Beziehungsstörung. Sie sind z.B. gestört in ihrer Beziehung zu ihrem Körper, zu ihrem Partner, zu ihrer Arbeit usw....
Daher bemühen wir uns um den Aufbau einer tragfähigen und Vertrauen schaffenden Beziehung zu ihnen. Dabei wissen wir, dass eine vertrauensvolle Beziehung keineswegs immer konfliktfrei ist.
Unsere besondere Aufmerksamkeit gilt neben der Sorge um unsere Patienten auch der Berücksichtigung der Anliegen von Angehörigen, Freunden und anderen wichtigen Bezugspersonen unserer Patienten. Wir betrachten sie nicht als „Störenfriede", sondern als wichtige Partner im Beziehungsnetz unserer Patienten.
Unsere Tätigkeit ist deshalb in erster Linie eine Beziehungs-Pflege.
6. Wir verhalten uns echt, ehrlich und eindeutig. Niemand hat immer gute Laune. Auch „negative" Gefühle wie Angst, Ärger und Wut können und sollen an- und ausgesprochen werden, sie werden aber auf keinen Fall ausgelebt.
7. Die Pflege und Therapie seelisch kranker Menschen unterscheidet sich in manchen Dingen von der körperlich Kranker. Das ruft bei Laien häufig Unverständnis und auch Abwertung hervor. Es gehört zu unserer Professionalität, dass wir um diese Vorurteile wissen, uns aber in unserem Selbstbewusstsein und unserem Selbstverständnis davon nicht negativ beeinflussen lassen. Wir müssen uns wegen unserer Arbeitsinhalte nicht schämen, sondern wir wissen, dass sie genauso wichtig sind, wie andere Behandlungsmaßnahmen.
8. Wir orientieren uns an dem Leitspruch „Verhandeln statt Behandeln" bzw. „Verhandeln über die Behandlung".
9. Wir versuchen, bedürfnisorientiert anstatt angebotsorientiert zu arbeiten. Das Spannungsverhältnis zwischen möglichst großem persönlichem Freiraum einerseits und notwendigen Regeln andererseits ist uns bewusst. Deshalb bemühen wir uns, neben der Schaffung, Bewahrung und ständigen Überprüfung notwendiger und hilfreicher Regeln, auch immer das im Einzelfall sinnvolle Vorgehen zu finden, um der Individualität unserer Patienten gerecht zu werden.
10. Wir respektieren und tolerieren die unterschiedlichen Persönlichkeiten unserer Patienten, aber im Interesse von uns selbst und anderen tolerieren wir nicht jedes Verhalten.
11. Wir wissen, dass wir unsere Arbeit nicht im Alleingang machen können, sondern dass wir unser Planen und Handeln in vielfältiger Form mit anderen absprechen müssen.
12. Die Förderung von der Selbstverantwortlichkeit ist ein wesentlicher Inhalt unserer Arbeit. Deshalb bemühen wir uns um weitgehende Mitsprache der Patienten in der Behandlungsplanung und um Förderung ihrer Autonomie wo immer das möglich und sinnvoll erscheint.
13. Wir achten darauf, dass die vorhandenen Autonomie-Ressourcen unserer Patienten im routinemäßigen Alltagsablauf nicht übersehen werden und bemühen uns darum, immer wieder Freiräume für Spontanaktivitäten zu schaffen.
14. Häufig sind wir in unserer Arbeit mit Fragen konfrontiert, für die es keine eindeutigen Antworten bzw. Patentrezepte gibt. Wir bemühen uns, dies auszuhalten, wo es sinnvoll ist, und nicht durch vorschnelles Handeln eine Scheinsicherheit zu schaffen.
15. Zeit ist ein begrenztes und knappes Gut. Wir sind bemüht, soviel wie möglich unserer Zeit und Geduld unseren Patienten zu widmen. Das schließt nicht aus, dass wir es auch als unsere Aufgabe ansehen können, Patienten auf die Begrenztheit ihrer und unserer Zeit hinzuweisen.
16. Wir sind überzeugt davon, dass sich Menschen, Beziehungen und Lebensumstände zum Positiven ändern können. Wir wissen, dass es sich gerade und vor allem in schwierigen Situationen lohnt, Mut und Zuversicht nicht zu verlieren. Unser Optimismus kann für andere Menschen lebensentscheidend sein. Es gibt keine „hoffnungslosen Fälle" sondern nur „Menschen ohne Hoffnung". Wir wollen dazu beitragen, dass aus ihnen wieder Menschen mit Hoffnung werden.
17. Wir betrachten Zuverlässigkeit als einen hohen Wert. Deshalb sind wir bemüht, getroffene Vereinbarungen einzuhalten und wünschen uns dies auch von unserem Gegenüber.
18. Veränderung gehört zum Leben. Wir wollen Neues wagen, dabei aber Bewährtes und Gutes erhalten. Deshalb bemühen wir uns um eine suchende, neugierige Grundhaltung und Offenheit für Diskussion und Austausch.
19. Sowohl das Erleben unserer Patienten ist oft von großer Angst geprägt, als auch unser eigenes Handeln ist häufig von Angst begleitet. Wir nehmen diese Ängste ernst. Anstatt oberflächlicher Beschwichtigung und Verdrängung bemühen wir um angstlösende Hilfestellung und professionellen Umgang.
20. Wir sind nicht erschrocken darüber, wenn uns unsere Arbeit Spaß macht. Wir können das sogar genießen!
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